Im Weltall verlieren wir Menschen den Boden unter den Füßen - und Spinnen die Orientierung für den Bau ihrer Netze. Deswegen sehen diese im Weltraum anders aus als auf der Erde. Das konnten Forschende in einem Experiment nun feststellen - nachdem einige Versuche zuvor gescheitert waren.

Im Weltall waren schon einige Tiere unterwegs: Hunde, Affen, Katzen, Mäuse, Quallen und Insekten wurden bereits mit in die Höhe geschickt. Forschende haben den zuvor gescheiterten Versuch mit Spinnen wiederholt und die Ergebnisse veröffentlicht: Sie wollten untersuchen, ob die Netze von Spinnen im All anders aussehen als auf der Erde.

Normale Spinnennetze sind asymmetrisch

Ein typisches Spinnennetz sieht aus wie ein Rad mit Fäden, die von einem Zentrum nach außen führen und mit weiteren Fäden dazwischen verbunden sind. Das wirkt im Grunde ziemlich symmetrisch. Ist es aber nicht. Die Fäden laufen nämlich nicht genau in der Mitte zusammen, sondern etwas oberhalb.

"Dort wo die Fäden zusammenlaufen, sitzt die Spinne kopfüber und wartet auf ihre Beute. Verfängt sich dann eine Fliege, kann die Spinne schneller zu ihr runterlaufen, als wenn sie rauf müsste."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Die Spinne wartet dort, wo die Fäden zusammenlaufen kopfüber auf ihre Beute. Wenn sich ein Opfer verfängt, kann sie schneller runterlaufen, als wenn sie rauflaufen müsste, erklärt Sophie Stigler von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Die Spinne nutzt die Schwerkraft also zu ihrem Vorteil.

Andere Versuche gescheitert

Deswegen wollten Forschende herausfinden, wie Spinnen ihre Netze bauen, wenn ihnen die Schwerkraft als Orientierungspunkt fehlt. Dafür haben sie zuerst den Spinnen winzige Gewichte angeklebt – doch dabei kamen keine belastbaren Ergebnisse heraus.

Dann wurden die Spinnen in Zentrifugen Kräften bis zu 15 g ausgesetzt. Zum Vergleich: Bei einem Raketenstart wirken etwa 3 bis 4g auf die Astronauten, bei 5 g würden sie bewusstlos werden. Aber auch bei diesem Experiment gab es keine eindeutigen Ergebnisse.

"Vor gut zehn Jahren hat die Nasa dann zum ersten Mal Spinnen ins Weltall geschickt - und es ging so ziemlich alles schief."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Deswegen hat die Nasa vor gut zehn Jahren beschlossen, die Spinnen ins All zu schicken. In einer verschlossenen Plastikdose mit zwei Kammern, in der jeweils eine Spinne ihr Netz spinnen sollte, sagt Sophie Stigler. Das Problem: Eine der Spinnen ist in die andere Kammer gelangt. Die beiden Spinnen haben zwar Netze gebaut, aber sie immer wieder gegenseitig zerstört.

Dann kam ein weiteres Problem hinzu: Als Nahrung wurden in die Box Fruchtfliegen mit eingepackt. Doch die haben leider so viele Eier gelegt, dass nach zwei Wochen das Sichtfenster der Box voll mit Larven war - und die Spinnen außer Sicht.

Wiederholter Versuch geglückt

Ein Biologe aus der Schweiz und zwei Kolleginnen aus den USA haben den Versuch wiederholt und aus den Fehlern gelernt. Sie steckten zwei Goldene Seidenspinnen in zwei separate Kammern und Fruchtfliegen durften nur ab und zu reinfliegen.

Die Goldene Seidenspinne baut auf der Erde sehr asymmetrische Radnetze mit dem Zentrum am oberen Rand. Im All bauten sie nun unterschiedliche Netze: Solche mit dem Zentrum in der Mitte, aber manchmal auch mit dem Zentrum wie auf der Erde.

"Es stellte sich heraus, dass die Netze die aussahen wie auf der Erde, bei Licht gebaut wurden. Das bedeutet: Wenn ein Licht schien, haben sich die Spinnen daran orientiert, als wäre es die Sonne."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Für die Spinnen wurde auf der ISS auch ein Tages - und Nachtrhythmus mit LEDs fingiert. Die Forschenden konnten feststellen: Wenn das Licht an war, bauten die Spinnen ihre Netze so, wie sie sie auch auf der Erde bauen, mit dem Zentrum am Rand. Sie orientierten sich an dem Licht, als wäre es die Sonne und gingen so davon aus, dass dort oben sein musste.

War das Licht aus, bauten die Spinnen ihre Netze symmetrisch: Das Zentrum war genau in der Mitte des Netzes. Ohne Schwerkraft fehlt ihnen also ein Orientierungspunkt. Scheint aber die Sonne oder ein Licht, wissen sie sich trotzdem zu helfen.