Auf "linksunten.indymedia.org" wurde zum gewaltsamen Widerstand aufgerufen, teilweise zu Mord. Jetzt hat das Bundesinnenministerium die Seite verboten.

Das Bundesinnenministerium hat die Website linksunten.indymedia.org verboten, sie ist inzwischen offline. Die Seite ist unter anderem bekannt dafür, dass sie als Forum für Menschen fungiert, die sich zum Beispiel an den gewalttätigen Demonstration in Hamburg beim G20-Gipfel beteiligt haben. Das Ministerium begründet, die Seite laufe "nach Zweck und Tätigkeit den Strafgesetzen zuwider", und sie richte sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung.

"Linksunten" ist eine Unterseite von indymedia.org. Der Unterschied ist wichtig, denn das Verbot richtet sich nicht gegen die komplette Seite "Indymedia", sondern nur gegen die Unterseite. Deren Betreiber sitzen in Süddeutschland, der Name "Linksunten" könnte also erstmal nur eine geografische Angabe sein.

"Bullenschweinen Pflastersteine zu fressen geben"

Indymedia präsentiert sich als unabhängiges Medium, als Alternative zu den Mainstream-Medien. Das Besondere von Indymedia: Jeder kann Texte anonym und unzensiert ins Netz stellen.

Linksunten war immer eine Spur radikaler, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. Es wurde aufgerufen zum "Widerstand gegen das System" und gegen "Bullenschweine, denen man Pflasterschweine zu fressen geben" sollte. Dort fanden sich Bekennerschreiben nach Abfackel-Aktionen, teilweise wurde zu Mord aufgerufen.

"Wenn ich von Facebook verlange, gegen Hatepostings vorzugehen, dann gilt das für solch eine Seite auch."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Oft war es schwierig, überhaupt zu ermitteln, ob ein Text authentisch ist. Als der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund angegriffen wurde, fand sich auf Linksunten ein Bekennerschreiben - das sich später als gefälscht herausstellen sollte.

Warum gleich die ganze Seite offline nehmen?

Zum Verbot der Seite gibt es Kritik, unter anderem lautet die: Warum gleich die ganze Seite verbieten? Hätten es nicht gereicht, einzelne Artikel offline zu stellen?

"Das stimmt zwar", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat, "trotzdem habe ich ein gewisses Verständnis für das Verbot". Denn auf der Seite war nicht nachzuvollziehen, wer was geschrieben hat - und somit sei nur schwer jemand zur Rechenschaft zu ziehen, wenn es um Gewaltaufrufe und Hatepostings ging.