Stellen wir uns vor: Apokalypse, die Zivilisation ist am Ende, Straßen, Gebäude, Technik, alles weg. Nur die Menschen und ihr Wissen sind noch da. Wie lange dauert es nun, ein modernes Stück Spitzentechnologie zu bauen. Ein Smartphone mit allem drum und dran zum Beispiel.

Es ist natürlich ein sehr theoretisches Gedankenspiel. Aber das ist unsere Ausgangssituation: Alles, was die Menschheit jemals geschaffen hat, ist weg. Es gibt keine Infrastruktur mehr, keine Regierungen, keine Industrie, es gibt nicht mal mehr einen Spaten oder einen Hammer. Dafür gibt es aber auch keine Umweltverschmutzung und alle Ressourcen stehen uns wieder zur Verfügung. Und unser Wissen. Wir wissen, dass es Elektrizität gibt, wie das Internet funktioniert und auch wie ein Luxusprodukt wie das Smartphone gebaut wird.

Wir brauchen 300 Jahre für das Smartphone

Der Blogger Tim Urban hat diesen Gedanken auf seiner Seite Wait But Why durchgespielt. Erstmal, stellt er fest, sind Smartphones ziemlich egal, alles beginnt mit dem Überleben. Tim Urban ist sich sicher: Viele Menschen sterben binnen kürzester Zeit, weil sie kein Zugang zu Trinkwasser und Nahrung erhalten und Krankheiten sich schnell ausbreiten.

"Um ein iPhone zu bauen, braucht es schon die Entwicklung der vergangenen Tausenden von Jahren. Das ist kein Produkt, das in seiner gesamten Komplexität in den letzten 20 Jahren entstanden ist."
DRadio-wissen-Reporter Konstantin Zurawski über Tim Urbans Artikel

Erst wenn all diese Probleme gelöst sind, können sich die Menschen um so unwesentliches Zeug wie Telekommunikation kümmern. Wir brauchen Materialien, Bergwerke, Infrastruktur, Schiffe oder Flugzeuge, Fabriken, Labore und so weiter. Wir bräuchten eigentlich mehr oder weniger unsere komplette moderne Zivilisation zurück, eben weil ein Smartphone so komplex ist. Tim Urbans Schätzung: Das dauert im günstigsten Fall 300 Jahre.

Viel spannender ist allerdings nicht die Frage, wie lange es bis zum Smartphone dauern würde - sondern ob wir es überhaupt wieder bauen würden. "Im besten Fall würden wir die ganzen Fehler nicht mehr wieder machen, also Umweltzerstörung, Klimawandel, schlechte Arbeitsbedingungen", fasst DRadio-Wissen-Reporter Konstantin Zurawski die Kommentare zu Tims Artikel zusammen. "Und das hätte dann natürlich auch Einfluss auf die Produkte, die wir bauen." Ein iPhone, Galaxy, Xperia oder Fairphone hätte dann vielleicht einfach ganz schlechte Chancen.