Eigentlich wollte die Hamburgerin Leonie in der italienischen Stadt Bologna studieren, hat sich jetzt aber dafür entschieden, mit dem letzten Flieger Richtung Deutschland das Land zu verlassen. Lisa lebt in Berlin und hat sich freiwillig in Corona-Quarantäne begeben und verlässt jetzt ihre Wohnung erstmal nicht mehr.

In den letzten Tagen hatte Erasmus-Studentin Leonie aus Hamburg ein ganz komisches Gefühl, wenn sie auf den Straßen der italienischen Stadt Bologna unterwegs gewesen ist, wie in einem Film, in dem die Apokalypse bevorsteht. Im Februar war sie für ein Auslandssemester nach Bologna gekommen, um an der dortigen Universität Volkswirtschaft zu studieren.

Bis Ende Februar war noch alles relativ normal, bis beschlossen wurde, dass die Studierenden zu Hause bleiben und mithilfe von Online-Kursen weiterstudieren sollten.

"Am Wochenende ging es noch: Erst am Sonntag ist hier in der Region die roten Zone ausgerufen worden. Da war auf den Straßen noch viel los. Jetzt sind die Straßen leer. Der Großteil der Menschen meidet die Öffentlichkeit."
VWL-Studentin Leonie bricht ihr Auslandssemester in Italien ab, um nach Deutschland zurückzukommen.
Erasmus-Studentin Leonie in Bologna.
© privat
Obwohl Bologna zum Sperrgebiet erklärt worden war, wollte die VWL-Studentin Leonie erst mal dort bleiben. Als die Nachricht kam, dass die Flüge nach Deutschland gestrichen werden, hat sie sich in letzter Minute dann doch umentschieden.

Da reisten schon die ersten Kommilitonen von Leonie ab und kehrten nach Deutschland zurück. Für die Hamburgerin war klar, dass sie da bleiben wollte, weil sie sich schon seit langem auf ihren Auslandsaufenthalt in Bologna gefreut hatte. Zu diesem Zeitpunkt ging sie noch davon aus, dass sie es eine Weile gut aushalten könnte, das Studium als Online-Kurs fortzusetzen. Allerdings sei es auch ein komisches Gefühl gewesen, viele der anderen Studierenden, die sie gerade erst kennengelernt hatte, nicht mehr treffen zu können, sagt die VWL-Studentin.

"Es ist ein bisschen eine Kopfsache, dass man das Gefühl hat, man wird eingesperrt. Man weiß nicht, wie das alles weitergehen und was noch kommen wird."
Erasmus-Studentin Leonie verlässt Bologna mit dem letzten Flug, der nach Deutschland geht.

Am vergangenen Sonntag wurde die Lage dann noch etwas ernster, als die Region in und um Bologna zur roten Zone, also zum Sperrgebiet erklärt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sich das Leben weitgehend auf der Straße abgespielt. Inzwischen liefen nur noch wenige Menschen vereinzelt durch die Straßen, berichtet die VWL-Studentin.

Studierende beraten über Abreise

Leonie hat sich zwei Tage nachdem die Stadt zur Sperrzone erklärt wurde mit anderen ausländischen Studierenden zusammengesetzt und besprochen, ob sie bleiben oder abreisen. Am selben Tag hat sie aus Meldungen erfahren, dass die Flüge nach Deutschland gestrichen werde. In diesem Moment fällte Leonie dann auch ihre Entscheidung nach Deutschland zurückzukehren, obwohl sie davon ausgehen muss, dass sie erst einmal einige Tage in Quarantäne verbringen wird und ihre Wohnung in Hamburg nicht verlassen darf.

Seit Mittwoch (11.03.2020) sind in Bologna alle Cafés, Bars und öffentlichen Orte, geschlossen worden, sodass Leonie das öffentliche Leben in der italienischen Stadt im Moment auch als ein wenig trostlos empfindet. Nur Supermärkten und Apotheken sind geöffnet. Leonie kehrt jetzt lieber nach Hause zurück, zu den Menschen und der Umgebung, die sie gut kennt.

Berlinerin Lisa begibt sich freiwillig in Quarantäne

Lisa lebt in Berlin, ist Anfang 30 und arbeitet in der Finanzbranche. Vor ein paar Tagen hat sich dazu entschieden, zuhause zu bleiben und von dort aus zu arbeiten. Ihr Arbeitgeber war von der Idee zunächst wenig begeistert. Allerdings hat er inzwischen seine Meinung geändert und stellt auch den anderen Mitarbeitern frei, Zuhause zu arbeiten.

Berlinerin Lisa ist freiwillig in Quarantäne und arbeitet von Zuhause auz.
"Es ist gerade nicht ideal, im Großraumbüro zu arbeiten. Zurzeit habe ich ein bisschen Husten und ein bisschen Temperatur – ich will niemanden anstecken, falls ich etwas habe."

Lisa ist froh, dass sie das Experiment der freiwilligen Quarantäne gewagt hat, denn es tut ihr gut, zu sehen, dass das Arbeiten auch von Zuhause aus funktioniert. Im Großraumbüro zu sitzen oder mit der U-Bahn hin zu fahren, hält sie gerade nicht für eine gute Idee.

In den letzten zweieinhalb Wochen war Lisa zweimal im Ausland – einmal in Spanien und einmal in Griechenland. Lisa findet, dass es egal ist, in welchen Ländern sie war, denn sie glaubt, dass man sich genauso auch am Flughafen oder im Flugzeug mit Covid-19 anstecken kann.

Momentan hat sie Husten und leichte Temperatur, sie bleibt also auch Zuhause, um ihre Kollegen nicht anzustecken, falls sie selbst infiziert sein sollte.

Gut vorbereitet sein, hilft

Lisa genießt es, daheim mehr Zeit mit ihrem Partner zu verbringen. Die Quarantäne macht ihr bisher nichts aus. Sie sagt, dass es darauf ankommt, gut vorbereitet zu sein. Lebensmittel bestellt sie online, das erleichtert ihre jetzige Situation.