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Maxine geht offen mit ihren Beauty-Eingriffen um. Schönheitsbehandlungen nehmen zu, sagt eine plastische Chirurgin – und sieht das kritisch. Eine Psychologin rät: Den eigenen Selbstwert nicht auf Äußerliches zu reduzieren, sondern breit aufzustellen.

An ihrem Aussehen hatte Maxine über die Jahre viel auszusetzen. Als Teenie findet sie, dass ihre Oberlippe auf Fotos kaum existent ist, wenn sie lächelt. Mit 17 Jahren darf sie zum ersten Mal die Kontur ihrer Oberlippe mit einem Permanent Make-up hervorheben lassen.

Mit 18 Jahren lässt sie sich Filler spritzen. Die Reaktionen von Freunden und Familie sind nicht immer positiv. Mitunter wird ihr Mund mit einem Entenschnabel verglichen. Maxine ist das jedoch egal. Sie ist erst mal nur froh darüber, dass ihre Oberlippe größer ist als vorher.

"Ich möchte nicht, dass irgendein junges Mädchen oder überhaupt irgendeine Frau sich mit mir vergleicht und sich denkt: 'Scheiße, warum sehe ich nicht auch so aus?' Ja, weil es fake ist."
Maxine Reuker, geht offen mit ihren Schönheitseingriffen um

Die heute Mitte-Zwanzigjährige hat ihr Aussehen inzwischen auf verschiedenste Weise verändert: Botox-Injektionen im Gesicht, Hyaluron in den Lippen, Haare gefärbt, Wimpern optimiert und ihre Brüste hat sie sich bei einem Eingriff vergrößern lassen.

Gewichtszunahme bei USA-Aufenthalt

Alles beginnt mit einem Aufenthalt in den USA: Die damals 15-Jährige nimmt dabei deutlich an Gewicht zu. Der Blick in den Spiegel frustriert sie. Im Netz versucht sie, Abnehm-Tipps in Onlineforen zu finden.

Maxine Reuker
© picture alliance / Geisler-Fotopress | Manfred Behrens/Geisler-Fotopres
Maxine Reuker geht offen mit ihren Beauty-Eingriffen um

Rückblickend bezeichnet sie diese als "ganz ungesunde Tipps". Bei Maxine führen die Empfehlungen aus dem Netz schließlich zu einer Essstörung. Wie sie die überwinden konnte, hat sie in einer Romantrilogie aufgeschrieben.

"Die Realität ist leider trotzdem, dass ich immer noch in den Spiegel gucke und denke: Das könnte anders sein. Grundsätzlich würde ich sagen, dass ich schon zufrieden mit mir und meinem Aussehen bin."
Maxine Reuker, steht zu ihren Beauty-Eingriffen

Maxine wird älter, die Umstände ändern sich – dadurch verändert sich auch ihr Körper. Für Maxine allerdings zum Negativen. Als sie 19 Jahre alt ist, setzt sie nach sieben Jahren die Anti-Baby-Pille ab. Dadurch verkleinert sich ihre Oberweite deutlich. Eigentlich war sie immer zufrieden mit ihrem D-Körbchen. Als daraus aber ein B-Körbchen wird, entscheidet sie sich für eine Brustvergrößerung.

Maxine steht zu ihren Eingriffen

Maxine ist auf Social Media aktiv. Sie bekommt viele Komplimente für ihr Äußeres. Mit ihren Beauty-Eingriffen geht sie sehr offen um. Ihr ist es wichtig, transparent zu sein. Sie teilt mit ihrer Community, welche Behandlungen sie hat machen lassen, damit kein falscher Eindruck entsteht. Maxine bezeichnet einige Aspekte ihres Aussehens als fake.

Nicht nur die Gen Z nutzt Schönheitseingriffe häufiger, um vermeintliche Makel auszugleichen und einem verbreiteten Schönheitsideal zu entsprechen. Der Trend geht in Deutschland durch alle Generationen durch, sagt die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Michaela Montanari.

Als Top fünf der häufigsten ästhetischen und plastischen Eingriffe bei 18- bis 30-Jährigen nennt die Fachärztin:

  1. Brustvergrößerung mit Implantat (im Gegensatz zur Vergrößerung mit Eigenfett)
  2. Brustverkleinerungen
  3. Intimchirurgie
  4. Injektionen mit Botulinumtoxin (meist als Botox bezeichnet), zum Teil auch präventiv, in den sozialen Medien als "Baby-Botox" bezeichnet
  5. Bruststraffung
"Insgesamt nehmen die Schönheitseingriffe weiter zu. Ich sage mal Schönheitseingriffe in Anführungsstrichen – und das ist in allen Generationen durchweg der Fall."
Michaela Montanari, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Mehr Zulauf durch Patient*innen zu bekommen, ist für die Ärztin aber nicht unbedingt ein Grund zur Freude. Oft kommen Menschen mit unrealistischen Vorstellungen: Sie bringen stark retuschierte Fotos mit, die bestimmte Schönheitsideale widerspiegeln, aber nicht realistisch sind.

Schönheitseingriffe helfen nicht bei psychischen Störungen

Manche Menschen, die Michaela Montanari konsultieren, leiden möglicherweise an einer Dysmorphophobie, nimmt die Fachärztin für plastische Chirurgie an.

"Wir können zwar viel machen, aber nicht alles. Und man muss natürlich auch differenzieren: Ist das Ganze sinnvoll? Oder liegt ein anderes Problem im Vordergrund?"
Michaela Montanari, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Bei dieser Erkrankung nehmen die Patient*innen äußerliche Makel an sich selbst wahr, die für andere nicht erkennbar sind. In solchen Fällen rät die Ärztin von ästhetischen Eingriffen ab, die die Patient*innen ohnehin nie zufriedenstellen würden. Ein therapeutische Behandlung hält sie hier für erfolgsversprechender.

"In den sozialen Medien ist es ja auch so, dass man immer nur schöne Dinge sieht. Jeder operative Eingriff kann auch Risiken mit sich bringen. Das ist ganz, ganz wichtig."
Michaela Montanari, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Wie Schönheit definiert wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, sagt die Sozialpsychologin Silvana Weber. Schönheit ist kein fixer oder objektiver Maßstab, sondern eher ein soziales Konstrukt, das durch Kultur und Zeitgeist geprägt wird. Es spielt eine Rolle, in welcher Zeit und Region wir leben und welche sozialen Medien und auch Massenmedien wir nutzen.

In den Medien sehen wir verschiedene Körper, verschiedene Gesichter und auch Stile. Manche Bilder wiederholen sich in verschiedenen Varianten und scheinen dadurch zur Norm zu werden. Sie verfestigen sich in unseren Köpfen.

Von der Rubensfigur zur superschlanken Topmodelfigur der 1990er

An sich sind Schönheitsideale durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte dennoch sehr wandelbar, sagt die Sozialpsychologin. Die Entwicklung reicht von der barocken Rubensfigur im 17. Jahrhundert bis zur superschlanken Topmodelfigur der 1990er Jahre. Heute wird eher eine sportlich-kurvige Figur idealisiert, sagt Silvana Weber.

Wie wir unseren Selbstwert definieren können

Die Trends können sich wandeln oder es kann sein, dass unser Aussehen nicht dem aktuellen Schönheitsideal entspricht. Deswegen hält es die Psychologin für wichtig, den eigenen Selbstwert nicht ausschließlich an das Aussehen zu koppeln. Sie rät, den eigenen Wert an vielen unterschiedlichen Qualitäten festzumachen und sich zum Beispiel zu fragen: Wie kreativ bin ich? Wie humorvoll? Was sind meine Werte etc.?

Außerdem empfiehlt sie, die eigene Medienkompetenz zu schulen und eine kritische Distanz zu wahren, wenn wir beispielweise in den sozialen Medien unterwegs sind: Welche Filter werden eingesetzt, wie wir eine Message inszeniert, welche Machtstrukturen stecken dahinter?

"Was in einem Kontext vielleicht als zu dünn gilt, gilt in einem anderen als perfekt: Das gilt nicht nur für Körperformen, sondern auch für Hautfarbe, Haarstruktur und Gesichtszüge."
Silvana Weber, Sozialpsychologin

Das kann zu einer Selbstermächtigung führen, die durchaus politisch ist, sagt Silvana Weber. Dass wir uns durch den kritischen Blick und die Distanz in die Lage begeben, Nein dazu zu sagen, Teil eines Marktes zu sein, der davon lebt, dass wir unzufrieden (zum Beispiel mit unserem Äußeren) sind und uns unzulänglich fühlen. Das verleitet uns dann dazu, bestimmte Dinge zu kaufen, zu konsumieren oder gegen Geld zu nutzen, um uns selbst vermeintlich besser zu fühlen.

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Shownotes
Neue Brüste und Botox
Wie fühlen wir uns noch schön?
vom 16. März 2026
Gesprächspartnerin: 
Maxine Reuker, geht offen mit ihren Schönheitseingriffen um
Gesprächspartnerin: 
Michaela Montanari, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-platische Chirurgie (DGÄPC) und selber Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Gesprächspartnerin: 
Silvana Weber, Sozialpsychologin
Autorin: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Jana Niehof, Anton Stanislawski, Friederike Seeger
Produktion: 
Ralf Perz
Quellen: