Wann hört ein Migrationshintergrund eigentlich auf, ein Migrationshintergrund zu sein? Ab wann fängt man an, Deutscher zu sein? Julia Lehmann ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ihre Mutter ist Koreanerin. Sie spricht über Rassismus im Alltag und über die "Neuen Deutschen".

Julia erlebt bis heute in ihrem Alltag einen subtilen Rassismus, erzählt sie. Dazu gehören Unfreundlichkeiten im Alltag, auch bei Behörden. Doch teils kann sie sich nicht sicher sein, ob sich dahinter ein rassistisches Motiv verbirgt oder jemand einfach nur verdammt unfreundlich ist.

"Rassismus ist ein sehr emotionales Thema."

Subtiler Rassismus ist schwierig zu beweisen, sagt Julia. Und die Frage ist auch, ob man sich immer wieder diesen Situationen stellen will. Denn Rassismus sei ein sehr emotionales Thema. Julia erlebt auch immer wieder den Druck, sich zu Deutschland zu bekennen. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie bei der Fußball-WM zu Deutschland hält. Die "Deutschen" atmen dann auf.

Wann fängt man an, deutsch zu sein?

Doch wann hört ein Migrationshintergrund auf, ein Migrationshintergrund zu sein? Wie viele Generationen braucht es? Wann fängt man an, Deutscher zu sein? Diese Frage wurden auch beim ersten Bundeskongress der "Neuen Deutschen" in Berlin gestellt. Unter dem Titel "Deutschland - neu denken" kamen rund 80 Initiativen aus ganz Deutschland zusammen, darunter die Initiative Schwarze Menschen, Neue deutsche Medienmacher oder auch Juma (Jung, Muslimisch, Aktiv). Julia war beim Kongress mit dabei.

"Wir sind Deutsche", sagt Julia. "Und wir wollen als Deutsche erkannt werden." Bei dem Kongress wurde unter anderem die Integrationspolitik kritisiert, ebenso wurden Forderungen aufgestellt. Und auch beim Kongress war das Thema Rassismus präsent.