Hitze, Waldbrände, Überschwemmungen – warum schaffen wir es als Gesellschaft nicht, den Klimawandel aufzuhalten? Ein Vortrag der Wissenschaftsphilosophin Anna Leuschner.
Wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was da noch auf uns zukommt. Wenn wir die Erderwärmung nicht begrenzen, werden Teile der Welt unbewohnbar, unzählige Menschen werden fliehen müssen, langfristig werden Lebensmittel und Wasser knapp. Gleichzeitig bekommen wir es als Gesellschaft es nicht hin, wirklich etwas gegen die Erderwärmung zu tun. Warum ist das so?
"Seit mehr als 15 Jahren gibt es verlässliche Belege dafür, dass industrielle und politische Interessengruppen gezielt Zweifel an unbequemen wissenschaftlichen Erkenntnissen gestreut haben."
Es gibt viele Gründe für das zögerliche Handeln der Politik, sagt Anna Leuschner. Sie ist Wissenschaftsphilosophin an der Uni Wuppertal. Ein wichtiger Faktor sei der Einfluss wirtschaftlicher und politischer Interessengruppen. Diese manipulierten die öffentliche Diskussion, um Maßnahmen zum Klimaschutz zu verhindern. Die Wissenschaftsphilosophin erforscht die Strategien dieser Akteure.
Strategien gegen den Klimaschutz
Es werden zum Beispiel industriefreundliche pseudowissenschaftliche Institute und Thinktanks gegründet, sodass es so aussieht, als bestünden wissenschaftliche Kontroversen über den Klimawandel, erklärt Anna Leuschner. Zusätzlich werden Pseudo-Experten eingesetzt, die öffentlich wirksam auftreten, so die Wissenschaftsphilosophin weiter. Auf diese Weise werde dafür gesorgt, dass es in der medialen Berichterstattung danach aussieht, als sei es eine ernst zu nehmende Position, dass der menschengemachte Klimawandel nicht existiert.
"Unliebsame Forschende werden gezielt angegriffen, bedroht und diffamiert."
Diese Strategie funktioniert jedoch zunehmend schlechter, sagt Anna Leuschner. Denn mittlerweile spüren wir die Auswirkungen des Klimawandels. Eine neue Strategie ist, dass gezielt die individuelle Verantwortung für den Klimaschutz überbetont wird, um von der Verantwortung von Industrie und Politik abzulenken, erklärt die Wissenschaftsphilosophin.
Außerdem werde versucht, die wissenschaftliche und politische Aufmerksamkeit auf technologische Lösungen zu lenken, um den Ausstoß von Treibhausgasen nicht reduzieren zu müssen.
"Individuelle Verantwortung für Klimaschutz wird strategisch überbetont, um von der Verantwortung von Industrie und Politik abzulenken."
Anna Leuschner ist Wissenschaftsphilosophin an der Bergischen Universität Wuppertal. Ihren Vortrag "Vom Leugnen zum selektiven Nichtwissen: Über alte und neue Strategien gegen den Klimaschutz" hat sie am 20.05.2026 im Rahmen der Tagung "nachhaltig demokratisch. sozialökologische Transformation als Schutz demokratischer Lebensformen" am Wuppertal Institut gehalten.
- Beginn des Vortrags
- Historischer Hintergrund
- Alte Strategien gegen den Klimaschutz
- Neue Strategien gegen den Klimaschutz
- Effekte der Strategien gegen den Klimaschutz
- Auswirkungen der neuen Strategien gegen den Klimaschutz
- Fazit
