Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus haben den Kerosinmarkt unter Druck gesetzt: Das Angebot sinkt, die Preise steigen. Warum die Luftfahrt weiter stark auf Kerosin angewiesen ist – und wo der Treibstoff künftig herkommen könnte.

Flugzeuge brauchen Kerosin. Das liegt unter anderem daran, dass sie in über 10.000 Metern Höhe fliegen, wo es sehr kalt ist. Benzin würde dort oben beispielsweise gefrieren. "Kerosin ist – genau wie Benzin – ein Bestandteil des Rohöls, den man mithilfe von Destillation gewinnen kann", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Monika Ahrens.

Es hat jedoch einen niedrigeren Gefrierpunkt und funktioniert deshalb auch bei großer Kälte als Treibstoff, weil es erst bei deutlich tieferen Temperaturen zähflüssig oder schließlich fest wird, sagt Walter Leitner, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (MPI CEC).
"Kerosin muss einen größeren Temperaturbereich abdecken, bis etwa minus 60 Grad, während normales Benzin vielleicht nur bis etwa minus 40 Grad reicht."
Walter Leitner, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (MPI CEC)

EU bei Kerosin stark abhängig von Golfregion

Kerosin lässt sich also nicht so einfach ersetzen. Die EU will deshalb zumindest bei den Importen etwas ändern und verstärkt Kerosin aus den USA beziehen. Denn bislang besteht eine große Abhängigkeit von Importen aus der Golfregion. "In Deutschland und in anderen europäischen Ländern gibt es zwar Raffinerien, in denen aus Rohöl Kerosin gewonnen wird. Damit kann ein großer Teil des EU-weiten Bedarfs gedeckt werden. Aber etwa 35 Prozent ihres Kerosins importiert die EU aus dem außereuropäischen Ausland", sagt unsere Reporterin.

Viele Länder suchen nach Alternativen auf dem Weltmarkt

Die Zahl stammt von en2x, dem Lobbyverband der Mineralölindustrie in Deutschland. Ein Großteil dieses Kerosins kommt laut Internationaler Energieagentur aus der Golfregion. Ein weiteres Problem: Länder, die bisher Kerosin aus der Golfregion importiert haben, suchen nun ebenfalls auf dem Weltmarkt nach Alternativen, sagt Alexander von Gersdorff von en2x.

"Asiatische Kunden gucken sich natürlich überall um – auch in Europa und auch in den USA, ob es da noch was zu holen gibt."
Alexander von Gersdorff, Sprecher beim Wirtschaftsverband Green Fuels und Energie e.V. (en2x)

Aus Sicht von Alexander von Gersdorff wird es deshalb nicht so leicht, Kerosin in ausreichenden Mengen aus den USA zu bekommen, zumal es in der EU erst noch zugelassen werden muss. "Kerosin aus den USA hat eine etwas andere Zusammensetzung und andere physikalische Eigenschaften – es gefriert zum Beispiel schon bei etwas höheren Temperaturen. Aber es ist trotzdem geeignet, um ein Flugzeug damit zu betanken", erklärt Monika Ahrens.

Kerosin-Alternativen, die nicht aus Erdöl gewonnen werden

Es gibt auch Alternativen zu Kerosin aus Erdöl. Dazu gehört etwa Bio-Kerosin, das aus Biomasse gewonnen wird, oder auch E-Kerosin, das aus CO₂ und Wasserstoff hergestellt wird. Das Verfahren dafür ist technisch bereits relativ ausgereift, meint Walter Leitner vom Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion.

"Allerdings müssen wir uns vor Augen halten, dass wir über sehr, sehr große Mengen sprechen, und das ist ein großer Hinderungsgrund", so Leitner. Auch die höheren Kosten spielen eine große Rolle, weil viel Strom benötigt wird, um den nötigen Wasserstoff herzustellen.

"Diese synthetischen Wege sind erheblich kostenintensiver, als das Kerosin aus dem Erdöl zu gewinnen."
Walter Leitner, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (MPI CEC)

Die EU plant einen Umstieg beim Kerosin auch, um die Luftfahrt klimafreundlicher zu machen. Seit2025 müssen beispielsweise in jedem Flugzeugtank mindestens zwei Prozent der Tankfüllung aus nicht-fossilem Kraftstoff bestehen. Bis 2050 soll der Anteil auf 70 Prozent steigen.

Shownotes
Treibstoff-Krise
Ohne Kerosin geht nichts – oder doch?
vom 22. April 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartnerin: 
Monika Ahrens, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin