Am Samstag hat ein Jumbo 90 Tonnen Kerosin über der Pfalz versprüht. "Fuel Dumping" nennt sich das, wenn ein Flugzeug ganz schnell Treibstoff loswerden muss. In Deutschland kommt das rund 20 Mal pro Jahr vor.

Wenn Flugzeuge ihr Kerosin in der Luft versprühen, dann handelt es sich eigentlich immer um einen Notfall. Denn Piloten tun das, um das Flugzeug leichter zu machen, damit es sicher landen kann, sagt unsere Reporterin Rahel Klein.

"Wenn ein Flugzeug nach dem Start einen technischen Defekt hat, oder es gibt einen medizinischen Notfall an Bord, dann muss das Flugzeug schnell landen."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Jedes Flugzeug hat ein festgelegtes Start- und Landegewicht. Ist das Flugzeug vollgetankt und muss plötzlich landen, übersteigt es das maximale Landegewicht - mit vollem Tank ist es einfach zu schwer. Darum wird Kerosin abgelassen.

"Würde der Pilot mit diesem viel zu schweren Flugzeug landen, würde er sich selbst und die Passagiere gefährden. Das ist einfach sehr gefährlich. Dafür ist das Flugzeug nicht gebaut."
Ute Otterbein, Deutsche Flugsicherung

Der Pilot kontaktiert in diesem Fall den Fluglotsen. Gemeinsam suchen sie dann ein geeignetes Gebiet aus, wo der Treibstoff versprüht werden kann, berichtet unsere Reporterin: "Dann gibt es einen Knopf, den muss der Pilot drücken, und dann kann der Sprit über ein Ventil aus den Vorratsbehältern entweichen."

Das Ganze muss in mindestens 1800 Metern Flughöhe passieren - und es kann eine Weile dauern, sagt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung.

"Die Ablassmenge liegt zwischen ein und zwei Tonnen pro Minute. Das heißt, wenn ein Flugzeug 50 Tonnen ablassen muss, dann muss es auch eine Weile in einer Dreiecksform oder einem Oval fliegen."
Ute Otterbein, Deutsche Flugsicherung

Abgelassen wird das Kerosin möglichst über einem Gebiet, dass nicht besiedelt ist. Und unterhalb des Flugzeugs sollte es keinen weiteren Flugverkehr geben.

Wie schädlich ist das Versprühen von Kerosin?

Ob es für die Natur oder die Menschen schädlich ist, wenn Kerosin versprüht wird, das wird übrigens schon lange kontrovers diskutiert.  

Die Bundesregierung sagt dazu in einer kleinen Anfrage der Grünen, dass gesundheitliche Schäden für Mensch und Tier nicht ausgeschlossen werden können, und es auch zu einer Bodenverschmutzung kommen kann. "Gleichzeitig werden da verschiedene Untersuchungen und Studien zitiert, wo es heißt, dass nur acht Prozent des Treibstoffs überhaupt den Boden erreicht", sagt Rahel Klein. Was dann noch am Boden ankommt, sei so wenig, dass es "vernachlässigbar" sei, heißt es in einer Studie.

Weil man es aber nicht ganz genau weiß, erstellt das Umweltbundesamt im Auftrag von Bund und Ländern ein Gutachten zu den Folgen dieses Fuel Dumpings für die Umwelt. Die Ergebnisse soll es im Herbst geben.