Emmanuel Macron hat mit rund 66 Prozent der Stimmen die Stichwahl zum Präsidentenamt in Frankreich gewonnen. Macron versprach, Gräben zu überwinden und der Präsident aller Franzosen zu sein. Dafür muss er das Land wieder einen - eine schwierige Aufgabe.

Frankreich wieder zu einen - das steht bei dem neu gewählten französischen Präsidenten jetzt ganz oben auf der Agenda, sagt unsere Korrespondentin Barbara Kostolnik in Paris. Dafür muss er auf die Franzosen zugehen, die ihn nicht, oder nur mit geballter Faust in der Tasche gewählt haben:

"Viele Wähler haben gesagt, Macron ist das kleinere Übel. Bevor wir eine rechtsextreme Präsidentin kriegen, wählen wir doch lieber einen ehemaligen Investmentbanker.“
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Die rechtsextreme Marine Le Pen musste sich bei der Wahl mit nur 34 Prozent der Stimmen deutlich geschlagen geben. Trotz der Wahlschlappe befürchten viele, dass Le Penn gestärkt zurückkommen wird. Macron muss deshalb auch auf die Wähler des Front National zugehen, die sich abgehängt fühlen, die aus Angst oder Wut Marie Le Penn gewählt haben. Das weiß auch Macron, so Kostolnik: "Gestern hat er in seiner ersten Rede gesagt, er wird die nächsten fünf Jahre alles tun, damit es keinen Grund mehr gibt, die Extremen zu wählen“

"Nur mit Reformen kriegst du die Leute irgendwie in Arbeit. Und nur wenn es ihnen tatsächlich besser geht, dann wählen sie keine rechtsextremen Parteien, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Erst mal wird sich Macron aber auf die Parlamentswahlen im Juni konzentrieren. Hier gilt es, soviel Abgeordnete wie möglich in die Nationalversammlung zu bekommen. Da er parteilos agiert und seine Bewegung "En Marche" erst ein Jahr alt ist, hat er hier momentan natürlich keinen einzigen Vertreter sitzen.

"Keine leichte Aufgabe, da hat er noch viel zu tun", so Kostolnik. Die Kandidaten müssen aufgestellt und in den Wahlkreisen bekannt gemacht werden. “Die kennt ja noch kaum einer und die müssen dann gegen die Platzhirsche antreten“, so unsere Korrespondentin. Im Hintergrund arbeiten Macrons Leute daran, die Bewegung "En March" mehr und mehr in Richtung Partei zu entwickeln, sagt Kostolnik: "So ganz so lose und so virtuell ist das Ding nicht mehr."

"Macron kann jetzt hoffen, dass er eine Dynamik entfacht, die Leute ihm etwas zutrauen und ihm keine Opposition in die Nationalversammlung wählen", so Kostolnik. Und weiter: "Blockaden hatten wir jetzt die letzten fünf Jahre genung“. Jüngste Umfragen allerding zeigen, dass zwei Drittel der Franzosen ihm eine Oppositionelle Mehrheit wünschen, damit er Kompromisse machen muss:

"Diese Franzosen, man versteht sie manchmal nicht wirklich."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Macron-Hack auch in Deutschland möglich

Große Aufregung gab es am Tag der Wahl: Nur wenige Stunden bevor in Frankreich die Wahllokale für die Präsidentenwahlen öffneten, tauchten im Netz insgesamt neun Gigabyte Daten aus dem Lager von Emmanuel Macron auf. Die Wahl haben sie wohl nicht beeinflusst, dennoch bleiben viele Fragen offen. Dazu unser Reporter Andreas Noll im Gespräch "Emanuel Macron - Der gehackte Präsidenschaftskandidat"

Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova
"Die französische Justiz ermittelt. Und deutsche Politiker gehen davon aus, dass wir auch im Bundestagswahlkampf ähnliche Vorfälle sehen werden."