Forschende haben im Amazonas zwei neue Arten von Zitteraalen entdeckt. Eine davon kann ungewöhnlich starke Elektroschocks erzeugen.

Diesem Zitteraal sollte man nicht zu nahe kommen: Der bis zu zweieinhalb lange Zitteraal nutzt die Elektrostöße, um Feinde abzuwehren. Forschende haben den Electrophorus voltai im Amazonas-Regenwald entdeckt und darüber im Wissenschaftsmagazin Nature berichtet.

Mehr Spannung als in der Steckdose

Diese bisher unbekannten Zitteraal-Art schafft es, eine Spannung von 860 Volt zu erzeugen. Zum Vergleich: Aus unserer Steckdose zu Hause kommen 230 Volt. Trotzdem wäre dieses Tier wohl nicht tödlich für uns, da es auch eine Rolle spielt, wie hoch die Stromstärke ist – und die ist bei diesem Zitteraal nicht allzu hoch.

Zitteraal nutzt Stromstöße zum Jagen und zur Verteidigung

Gefährlich sind die Stromstöße aber für andere Tiere. Die Aale nutzen sie zum Beispiel zum Jagen: "Beutetiere fangen durch die Elektroschocks an, unkontrolliert zu krampfen und werden dadurch zu leichter Beute", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Alexandra Rank.

Wie der Zitteraal mit Elektrostöße Feinde abwehrt, hat vor mehr als 200 Jahren der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt beobachtet. Er beschreibt, wie Zitteraale aus dem Wasser sprangen und Pferde und Maultiere der Expedition mit Stromstößen attackierten.

"Obwohl Zitteraale schon vor langer Zeit entdeckt wurden, hat man ziemlich wenig über die Fische gewusst."
Alexandra Rank, Deutschlandfunk Nova

Die Forschenden des National Museum of Natural History in Washington haben sich mehr als 100 gefangene Zitteraale näher angeschaut und vor allem die DNA der Tiere analysiert. Fest steht jetzt, dass es nicht – wie bisher angenommen – eine Zitteraal-Art gibt, sondern mindestens drei. Sie sehen sich äußerlich recht ähnlich, unterscheiden sich aber zum Beispiel durch die Stromstöße und sie haben auch alle einen unterschiedlichen Lebensraum.

Für die Forschenden zeigt das, dass es im Amazonas-Regenwald noch viele Geheimnisse gibt. Wenn, wie hier in diesem Fall, eine Fischart, bis zu zweieinhalb Meter lang wird und erst 250 Jahre nach den ersten wissenschaftlichen Untersuchungen entdeckt wird.