Die Zahlen sind schlecht, also muss Twitter etwas tun, um mehr Geld zu verdienen. Das Problem: Die User wollen nicht, dass sich beim Kurznachrichtendienst etwas ändert.

Für viele Twitter-Fans ist es so etwas wie der Anfang vom Ende. Twitter hat eine neue Timeline freigeschaltet. Ab jetzt wird nicht mehr strikt chronologisch sortiert, sondern ein Algorithmus entscheidet, was für uns wirklich wichtig ist. Über diese Pläne haben wir schon Anfang der Woche diskutiert. Jetzt ist das neue System scharf. Das Unternehmen weiß schon lange, dass die Nutzer extrem allergisch auf das Thema Algorithmus bei Twitter reagieren, sagt unser Netzreporter Andreas Noll. Und deshalb kann man die neue Timeline-Sortierung auch abschalten.

Bei Andreas Noll hat das nicht funktioniert, weil das Aktivieren dieser Funktion ein paar Wochen dauert, wie Twitter auf seiner Webseite schreibt. Und bei Andreas ist die Funktion noch nicht angekommen. Wenn sie dann irgendwann aktiv ist, werden die angeblich für jeden User wichtigsten Tweets direkt am Anfang der Timeline angezeigt.

Darunter soll es allerdings streng chronologisch weitergehen, wenn die neue Timeline denn aktiviert ist. Anders als bei Facebook soll die Algorithmus-Timeline bei Twitter nur via Opt-in aktiviert werden.

Die neue Timeline ässt sich offenbar einfach wieder deaktivieren - im Gegensatz zu Facebook, wo das nicht möglich ist. Unter den Einstellungen muss dann einfach das Häkchen bei "Zeige mir die besten Tweets zuerst an" entfernt werden. Zumindest verspricht das Twitter. Und wer an die Versprechungen nicht glaubt, kann alternative Dienste nutzen. Angeblich spürt das deutsche Gnusocial.de starken Mitgliederzuwachs, seit Twitter und Algorithmus immer häufiger in einem Satz verwendet werden.

Das Gerücht über die neue Timeline hat eine Protestkampagne unter dem Hashtag RIPTwitter ausgelöst. Die Angst der User ist klar: Twitter entwickelt sich immer mehr in Richtung Facebook. Und dass Twitter uns vorschreiben könnte, was wir lesen sollen, ist für viele eine gruselige Vorstellung. Obwohl das ja auch nicht so neu ist. Es gibt schon länger Sponsored Tweets, empfohlene Tweets, empfohlene Accounts und Ähnliches. Und in der offiziellen Smartphone-App gibt es die Funktion "Während Du weg warst" ja schon länger.

Mehr Tweets und Retweets?

Das Unternehmen selbst sagt, dass man in der Testphase festgestellt habe, dass die Funktion zu mehr Tweets und Retweets führe. Also zu mehr Aktivität auf der Seite. Und das hat Twitter dringend nötig, denn die Negativmeldungen reißen nicht ab. Vor wenigen Stunden hat Twitter neue Geschäftszahlen bekannt gegeben. Und demnach stagniert zum ersten Mal seit dem Börsengang 2013 die Zahl der Nutzer.

Die Zahl der aktiven User fällt sogar. Das ist eine dramatische Entwicklung in einer IT-Welt, in der das Thema Nutzerwachstum die wichtigste Währung ist. Weniger User - aber mehr Geld verdienen - das geht dann womöglich nur damit, die Zahl der Werbeeinblendungen zu erhöhen. Klingt auch nicht so verlockend.