Am 1. Juni 2016 wird der weltlängste Bahntunnel eröffnet - nach 17 Jahren Bauzeit. Erst im Dezember soll er dann vollständig genutzt werden. Die Schweizer lieben ihren neuen Supertunnel aber schon jetzt. Dimensionen wie die Bauzeit sind gigantisch.

​Eindrucksvolle Zahlen

  • 57 Kilometer lang
  • 17 Jahre Bauzeit
  • Baukosten: rund elf Milliarden Euro
  • 28,2 Millionen Kubikmeter Gestein mussten bei den Bauarbeiten aus den Alpen gebrochen werden
  • 2400 Arbeiter waren im Einsatz
"Es ist auch der tiefste Tunnel überhaupt: Über dem Tunnel liegen teilweise 2300 Meter Alpenfels."
Hans-Jürgen Maurus, DRadio Wissen Reporter vor Ort

Zur Jungfernfahrt werden neben Schweizer Politikern Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi erwartet.

Was können die Schweizer besser als wir?

Wenn ihr an deutsche Großprojekte denkt, dann fallen euch wahrscheinlich vor allem Pleiten, Pech und Pannen ein: Der Hauptstadt-Flughafen, Stuttgart 21, die Elbphilharmonie in Hamburg. Die Schweizer haben da vieles besser gemacht, sagt Hans-Jürgen Maurus.

"Der Bohrspezialist hat gesagt: Wenn die Schweizer so eine Megaprojekt machen, dann machen sie es dreimal: zweimal im Kopf und einmal in der Realität."
Hans-Jürgen Maurus

Es werde also alles enorm gut vorbereitet. Die Schweizer hätten dabei mehr Geduld als die Deutschen. Von Anfang an würden alle wichtigen Dinge konzipiert und vor allem: Eventualitäten von vorneherein mitgedacht. Nicht so wie am Berliner Flughafen, bei dessen Bau man, je länger er dauert, immer neue Probleme entdeckt, mit denen man nicht gerechnet hatte.

"Die besten Ingenieure wurden eingekauft, die es gibt. Es waren auch deutsche Firmen dabei."
Hans-Jürgen Maurus

Die Schweizer lieben ihre Eisenbahn

Der erste Eisenbahntunnel wurde in der Schweiz schon 1882 gebaut. Die Alpenrepublik besitzt auch den höchsten Bahnhof Europas.

"Die Bahn hat einen enormen Rückhalt in der Schweiz. Alle drei Volksabstimmungen gingen glatt durch."
Hans-Jürgen Maurus

Schneller und auch noch gut für die Umwelt

Ab sofort beginnt ein mehrmonatiger Testbetrieb. Im Dezember geht es dann im großen Stil los. Mit der Inbetriebnahme des neuen Tunnels sollen sich die Fahrzeiten zwischen Nord- und Südeuropa dann erheblich verkürzen. Die Strecke von Zürich nach Mailand zum Beispiel geht dann eine Stunde schneller: zwei Stunden und 40 Minuten.

Der Nord-Süd-Verkehr quer durch Europa soll durch den Tunnel flüssiger werden, zudem erhoffen sich die EU-Verantwortlichen eine weitere Verlagerung des Frachtverkehrs von der Straße auf die Schiene und damit weniger Luftverschmutzung.