Gerade im Netz finden sich viele falsche Informationen und Verschwörungstheorien über das neue Coronavirus. Facebook will solche Beiträge jetzt löschen. Stattdessen soll die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kostenlos Werbeplätze erhalten, um sachlich und korrekt über das Virus zu berichten.

Aktuell verbreiten sich Fake News rund um das neuartige Coronavirus rasend schnell im Internet. Auf Facebook werben zum Beispiel Profile mit Produkten, die angeblich gegen das Virus helfen sollen oder die Krankheit Covid-19 heilen können.

Posts dieser Art tauchen besonders auf US-Seiten des sozialen Netzwerks auf. "Es gab zum Beispiel Facebook-Posts, in denen behauptet wurde, das Trinken von Bleichmittel würde gegen das Virus helfen", berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler.

Das soll aufhören, sagt Facebook und kündigt an, Beiträge mit falschen Informationen oder Verschwörungstheorien über das neue Coronavirus zu löschen – das gilt auch für bezahlte Werbung. Stattdessen soll die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Werbeplätze kostenlos erhalten, um über das Virus zu informieren. Ein ähnliches Angebot macht Facebook auch anderen Gesundheitsorganisationen: Sie sollen Gutscheine für Werbeplätze bekommen.

Neuartiges Coronavirus sorgt für Umdenken

Dieser Schritt ist ungewöhnlich für das soziale Netzwerk. Bei ähnlichen Fällen war der Standpunkt des Unternehmens in der Vergangenheit weniger eindeutig, zum Beispiel als es um das Unterbinden bezahlter Werbung von Impfgegnern ging. Hier hat sich der Konzern von Mark Zuckerberg lange schwer getan Position zu beziehen, sagt unser Netzreporter. In der Regel äußert sich das Unternehmen weder politisch noch nimmt es an Debatten teil. Die Argumentation: Meinungsfreiheit.

"Normalerweise versteckt sich Facebook hinter der Meinungsfreiheit: Es äußert sich nicht politisch, mischt sich nicht in Debatten ein – zeigt also quasi niemals Haltung."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Im Herbst 2019 kritisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns dieses Verhalten in einem offenen Brief an Mark Zuckerberg, wie die New York Times berichtet. Sie sehen die Glaubwürdigkeit des Netzwerks durch das ungefilterte Posten bezahlter Werbung von Politikerinnen und Politikern gefährdet. Ohne das Einschreiten von Facebook könnten sich so Fake News verbreiten.

Viele sehen in Facebook einen Nachrichtenkanal

Viele sehen das soziale Netzwerk tatsächlich als Nachrichtenquelle an. Ungefähr jeder Fünfte in Deutschland nutzt Facebook regelmäßig, um sich über Nachrichten zu informieren. Und in manchen anderen Ländern ist die Zahl noch höher, so Konstantin Köhler. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende des Reuters Institutes der University of Oxford in einer Studie, die sie im Juli 2019 veröffentlicht haben.

"Facebook hat beim Thema Coronavirus und bei anderen Themen auch eine gesellschafts-politische Verantwortung."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Für Konstantin ist daher klar: Facebook muss sich seiner Verantwortung stellen und ist quasi dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass in Sachen Coronavirus kein gefährlicher Blödsinn verbreitet wird.