Mit dem wissenschaftlichen Computerspiel "Fold it" rufen Forschende der University of Washington die Schwarmintelligenz auf den Plan. Gamerinnen und Gamer könnten dabei helfen, das neue Coronavirus unschädlich zu machen. 2011 lösten Wissenschaftler so erfolgreich das Rätsel um die Struktur eines Enzyms aus einem Affenvirus.

Geht es um das Erforschen von Krankheiten, kann Forschenden auch die Schwarmintelligenz bei ihrer Arbeit helfen. Beim Computerspiel "Fold it" sollen Gamerinnen und Gamer ein Protein entwickeln, das gegen das neuartige Coronavirus hilft.

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Konkret geht es dabei darum, Proteine zu falten. Proteine sind Moleküle, die sich in jeder Körperzelle befinden. Das neue Coronavirus selbst besteht zu Teilen aus Spike-Proteinen. "Damit dockt es sozusagen an die Zelloberfläche an", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher.

"Aufgabe ist es, das Protein zu falten. Je besser das Protein gefaltet ist, umso mehr Punkte gibt es im Spiel."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Im Fall des Coronavirus kennen die Forschenden das entscheidende Spike-Protein bereits. Jetzt gilt es, herauszufinden, wie sie es unschädlich machen können. Die Spieler sollen also ein Protein entwerfen, das das Spike-Protein binden kann und so lahmlegt.

Screenshot des Computerspiels "Fold it"
© fold.it
Screenshot des wissenschaftlichen Computerspiels "Fold it"

Erscheint simpel? Ganz so einfach, wie das wissenschaftliche Computerspiel auf den ersten Blick scheint, ist es aber nicht, meint Thomas Ruscher. Für Laien gibt es deshalb ein Tutorial, das über die Proteinfaltung aufklärt. Vorkenntnisse seien hilfreich, aber "auch Laien, die einfach nur Bock auf Puzzle-Spiele haben und ein bisschen tüfteln wollen, können 'Fold It' spielen und so tatsächlich zur Wissenschaft etwas beitragen."

"Also wer sich mit Biochemie auskennt, ist klar im Vorteil!"
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das Protein, das wir auf dem Bildschirm sehen, sieht ein bisschen aus wie ein Kabelsalat. Die Spieler können jedes einzelne Stück davon anfassen und bewegen, Spiralen auseinanderziehen, Stränge verdrehen. Und je besser das Protein gefaltet wird, umso mehr Punkte gibt es im Spiel – denn umso besser funktioniert das Protein.

Forschende testen, was die Gamer schicken

Die Protein-Entwürfe der Spieler gehen an die Forschenden der University of Washington. Sie haben "Fold it" zusammen mit ihrem Center for Game Science entwickelt. Und in der Vergangenheit haben sie so tatsächlich schon einmal funktionierende Proteine entwickelt. Zum Beispiel haben sie die Struktur eines Proteins entschlüsselt, das Aids bei Rhesusaffen auslöst. Für die Forschung war das ein riesiger Gewinn. Ihr Experiment haben sie im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Natürlich braucht es für eine akkurate Forschung viele Testdurchläufe und viel Zeit, das räumt auch Brian Koepnick, einer der Entwickler von "Fold it", ein. Trotzdem hofft er, dass das Game einen Nutzen für die Forschung haben wird. Und „vielleicht kommt ja die zündende Idee, der ideale Entwurf für ein Anti-Corona-Protein, tatsächlich aus der Schwarmintelligenz der Computerspielerinnen und -spieler", sagt Thomas Ruscher.