Sinkende Einwohnerzahlen, leere Wohnungen, ein Prügelvideo - Wilhelmshaven hat ein Imageproblem. Doch engagierte Bürger halten dagegen: Sie setzen auf eine nachhaltige Entwicklung zum Besseren.

In Berlin, Hamburg oder Köln läuft die Gentrifizierung auf Hochtouren. In Wilhelmshaven dagegen geht die Entwicklung andersherum: Hier verfallen prächtige Altbauwohnungen in bester City-Lage - und werden damit für Menschen mit wenig Geld erschwinglich. Das spricht sich herum, und so kann sich Wilhelmshaven seit ein paar Jahren wieder über Zuzug freuen.

Drei Jugendliche verprügeln eine 14-Jährige

Doch diese an sich positive Nachricht wird getrübt durch soziale Schwierigkeiten und Kriminalität. Die Zahlen gehen zwar insgesamt zurück, doch seit im Mai ein Prügelvideo von Jugendlichen im Netz auftauchte, hat die Stadt viel schlechte Presse und ein massives Imageproblem. Eine 14-Jährige war auf einer Eisenbahnbrücke von drei Jugendlichen zusammengeschlagen worden, Umstehende hatten die Tat mit ihren Handys gefilmt. Ergebnis: Die 14-Jährige landete im Krankenhaus, die Täter wurden durch das Video identifiziert.

"Irgendwas muss man hier doch machen, um die Lücken zu schließen - zwischen den Häusern und damit auch zwischen den Menschen."
Ricarda Kalweit, "Stattgarten"-Gründerin in Wilhelmshaven

Jetzt ermittelt die Polizei gegen sie, aber auch gegen die ebenfalls identifizierten Schaulustigen - wegen unterlassener Hilfeleistung. Kurz danach bekamen es die Ordnungshüter auch noch mit angedrohter Selbstjustiz zu tun: Facebook-User hatten dazu aufgerufen, die Tat zu rächen. Die Polizei musste wenige Tage nach der Prügelei eine Versammlung von 40 wütenden Menschen vor dem Haus eines der Täter auflösen.

Zurück zur Stadt

Mit gezielten Aktionen wollen Verwaltung, Polizei und engagierte Bürger jetzt die öffentlichen Räume in Wilhelmshaven zurückgewinnen. Peter Lehwald ist Jugendbeauftragter der Polizei - und erzählt begeistert von Medienprojekten, Gesprächsrunden mit Jugendlichen und einem Urban-Gardening-Projekt in einem sozialen Brennpunkt. Dieser sogenannte Stattgarten wurde vor einer Schule gegründet, die vor vier Jahren geschlossen wurde. Durch das gemeinsame Gärtnern entsteht plötzlich wieder nachbarschaftliche Gemeinschaft und gegenseitige Verantwortung - genau das, was Gründerin Ricarda Kalweit im Sinn hatte.