Stream On heißt eine neue Tarifoption der Telekom. Gerade wurde sie  der Öffentlichkeit als "Revolution für den Handymarkt" vorgestellt. Das Angebot klingt verlockend: Video- und Audiostreams aus dem eigenen Angebot werden nicht auf das Inklusivdatenvolumen angerechnet. Wo ist der Haken?

Das Angebot der Deutschen Telekom hört sich praktisch an, hat aber tatsächlich einen Haken, und der heißt Netzneutralität. Die Netzneutralität besagt, dass eigentlich keine Daten bevorzugt behandelt werden dürfen. Bei dem neuen Stream On Feature der Telekom ist das aber der Fall. Denn Video- und Audiodaten der Vertragspartner gelten darin nicht mehr als kostenpflichtiges Volumen. 

"Eine ähnliche Option gab es bei der Telekom schon mal für den Musikstreaming-Dienst Spotify. Sie wurde aber nach Protesten wegen Verstoß gegen die Netzneutralität wieder zurückgezogen."
Andreas Noll, DRadio Wissen

Jetzt gibt es wieder Kritik an der Telekom: Der Verein D64, Zentrum für digitalen Fortschritt, macht mobil gegen Stream On. Dort spricht man von einem Weg ins Zwei-Klassen-Internet und der Förderung von Monopolen. Auch andere Netz-Aktivisten und Fachjournalisten sehen das Ganze sehr kritisch.

Das Aus für die Spotify-Option damals war die Einführung der Netzneutralität auf der Ebene der Europäischen Union. Wegen der EU-Richtlinie hatte die Telekom die Option wieder abgestellt. Jetzt wähnt sich die Telekom rechtlich auf der sicheren Seite, weil man sich eigenen Angaben zufolge im Vorfeld mit der Bundesnetzagentur ausgetauscht habe. Die Bundesnetzagentur wiederum teilt allerdings auf Anfrage der Tech-Seite Golem.de mit, dass sie das Angebot genau prüfen werde.

Telekom: Es kann ja jeder mitmachen!

Die Telekom argumentiert:  Jeder, der ein legales Internetangebot macht, könne Partner bei der Telekom werden und sei dann drin bei diesen Diensten, die den Kunden nicht angerechnet werden. Allerdings sind die Bedingungen unklar, die man als Partner erfüllen muss. 

Die Telekom sagt zudem, das neue Angebot erfülle nicht die Kriterien des umstrittenen Zero-Rating. Dabei wird ein Datenvolumen kostenlos angeboten. Denn wenn einmal das Datenvolumen des Tarifs verbraucht sei, werde auch das Streaming von Partnerdiensten gedrosselt, so der Konzern. 

Gut 20 Partner gibt es bereits. Das ZDF gehört dazu, radioplayer.de, Apple Music, Amazon, Napster, Netflix, Youtube, Sky und andere. Nicht dabei sind Deezer, Maxdome oder auch Spotify. Aber die Telekom ist zuversichtlich, dass Spotify noch folgen wird, heißt es. 

"Eine Revolution, wie die Telekom das nennt, ist Stream On nicht. Das ist Marketingsprech. Es ist die Übertragung eines erfolgreichen Modells auf Deutschland."
Andreas Noll, DRadio Wissen

T-Mobile USA hat diese Option vor geraumer Zeit als „BingeOn“ eingeführt und war damit so erfolgreich, dass die Mitbewerber das Konzept kopiert haben. Stream On funktioniert übrigens nur in Deutschland. Im EU-Ausland rattert dann weiter das Inklusivvolumen runter.