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"Der Sprung" heißt der zweite Roman von Simone Lappert. Der Sprung, den die Schweizer Autorin darin beschreibt, ist aber genau genommen kein Sprung - sondern der Schritt von der Dachkante ins Leere.

Manu ist eine der Protagonistinnen des Romans "Der Sprung". Manu steht auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses. Sie nimmt weder Anlauf, noch lässt sie sich wie eine Kerze vom Drei-Meter-Brett fallen. Stattdessen geht sie zielstrebig in den frühen Morgenstunden zur Dachkante und macht den Schritt ins Leere.

"Da ist die Schülerin Winnie, die nicht versteht, warum sich eine Frau mit Manus Figur umbringen will, während sie selbst jeden Tag für ihr Aussehen gemobbt wird, und das wirklich sowas von satt hat."
Lydia Herms über den Roman "Der Sprung" von Simone Lappert

Manu weiß, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor, wenn sie diesen Schritt macht. Und sie weiß nicht, was danach kommt.

Seit Stunden ist auf dem Platz vor dem Haus der Teufel los. Die Feuerwehr ist angerückt und hat ein riesiges Kissen aufgeblasen. Die Polizei nervt mit grellem Scheinwerferlicht und alle halbe Stunde mit der lauten Sirene.

Sie wollen verhindern, dass Manu einschläft und dabei vom steilen Giebel rutscht. Sie wollen, dass sie aufgibt und durch ein Dachfenster zurück ins Leben klettert. Aber Manu ging es nie um Leben oder Tod.

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Der Selbstmordversuch, der keiner ist

Manu ist ausgesperrt worden, auf einem Balkon, von einem Mann. Der hat telefoniert, dabei die Tür zugemacht und ist dann weggegangen. Auf ihre Anrufe hat er nicht reagiert. Irgendwann war sein Handy komplett aus. Was hätte Manu machen sollen, wie lange warten? Sie war wütend und ist auf das Dach geklettert, um nachzudenken, und um einen Weg nach unten zu finden.

Wenn sie springt. Falls sie springt.

Und sie hätte einen Weg gefunden, wenn nicht plötzlich die halbe Stadt vor dem Haus aufgetaucht wäre – mit Blaulicht, Kameras und Klappstühlen. Alle wollen dabei sein, wenn es soweit ist.

Und während Manu wütend auf dem Dach herum kraxelt und die Menge anbrüllt, sie endlich in Ruhe zu lassen, geraten zeitgleich die Leben von zehn weiteren Menschen aus den Fugen.

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Zum Beispiel das von Finn: Lange kennen sich die beiden noch nicht. Aber für Finn ist klar, dass er eine Frau wie Manu nicht so schnell wiedertreffen wird. Und dass er auch noch nie so für eine Frau empfunden hat.

Oder Felix: Der Polizeibeamte mit der Zusatzausbildung für Fälle wie diesen, den nach vielen Stunden in der Dachluke nicht nur die Blase drückt, sondern auch das Gewissen.

Was wäre, wenn nicht sie, sondern ich springen würde?

Manus Entscheidung macht etwas mit den Menschen. Es macht, dass sie inne halten. Plötzlich stellt sich ihnen nicht mehr nur die Frage: Was ist, wenn sie springt? Plötzlich lautet ihre Frage: Was ist eigentlich, wenn ich springe?

Das Buch

"Der Sprung" von Simone Lappert, Diogenes, 331 Seiten, gebundene Ausg. (Hardcover): 22 EUR, E-Book: 18,99 EUR, Hörbuch-Download: 13,95 EUR, gelesen von Lotti Happle (9 h 26 Min); ET: 01.09.2019