Ihre Haut ist wund, ihre Finger kleben zusammen, die Ohren schwellen zu: In Berlin erkranken immer wieder Eichhörnchen an einer bisher unbekannten Krankheit. 

Eine bisher unbekannte Form des Pockenvirus macht den Eichhörnchen zu schaffen. Er befällt die Haut vor allem junger Tiere, sagt Gudrun Wibbbelt, Tierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Die Tiere leiden sehr.

"Die Tiere haben wahnsinnig große Schmerzen. Die Finger kleben durch die Wundsekrete zusammen. Auch den Gehörgang kann man nicht mehr erkennen."
Gudrun Wibbbelt, Tierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Betroffene Eichhörnchen sterben offenbar nicht direkt an dem Pockenvirus, sondern an Krankheiten, Bakterien oder Hefen, die durch die Wunden in die Tiere eindringen. Bisher sind jedes Jahr in Berlin 10 bis 20 Tiere mit den Symptomen gefunden worden. Wie viele unbemerkt sterben, weiß allerdings niemand. Der erste Fall wurde 2015 am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung dokumentiert. Aufzuchtstationen haben die Hautveränderungen bei Eichhörnchen aber schon früher entdeckt. Die Erkrankung gibt es also offenbar schon länger und befällt vor allem Jungtiere. 

Alle gemeldeten Fälle stammen bisher aus dem Großraum Berlin. Aus anderen Regionen Deutschlands gibt es bisher keine Berichte. In Großbritannien hat aber ein anderes Pockenvirus rote Eichhörnchen in einigen Gegenden aussterben lassen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist das bei uns nicht zu befürchten. Nach aktuellem Stand sind diese speziellen Viren auf Eichhörnchen als Wirt spezialisiert und können nicht auf Menschen oder andere Haustiere übertragen werden.  

"Weil sich die Tiere nicht mehr am Baum festhalten können, werden sie oft am Boden gefunden.“
Gudrun Wibbbelt, Tierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Wer ein erkranktes Eichhörnchen entdeckt, holt sich am besten Hilfe von Profis, die sich mit den Tieren auskennen. Im Netz findet ihr Seiten von Eichhörnchen-Stationen. Hier gibt es auch Tipps, was ihr den Tieren zu trinken geben könnt. 

"Wer ein krankes Eichhörnchen findet, sollte sich an die nächste Wildtiernotrufstation oder Eichhörnchenhilfe wenden. In allen Bundesländern gibt es verschiedene Auffangstationen für Wildtiere. Das sind Leute, die sich speziell mit der Pflege von Eichhörnchen auskennen."
Gudrun Wibbbelt, Tierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung