Jungwolf Kurti macht den Niedersachsen Angst. Denn er kommt den Menschen immer näher. Während die ersten seinen Abschuss fordern, gibt es neue Hoffnung: in Gestalt einer Wolfsdame.

Die Leute nennen ihn Kurti, Wissenschaftler sagen nur "MT6" zu ihm, das ist die Nummer seines Halsbandsenders. Das Problem des jungen Wolfs aus einem Rudel bei Munster: er hat keine Angst vor Menschen. Die aber wiederum umso mehr vor ihm.

Dass sich rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz bei Munster Wolfsrudel angesiedelt haben ist nichts neues, neu ist das abweichende Verhalten eines Ausreißers. Eigentlich meiden Wölfe den Menschen. Jungwolf Kurti ist allerdings schon einigen Leuten nachgelaufen. Beispielsweise einer Frau mit Kinderwagen und mit Hund. Nachdem sie den Hund von der Leine ließ, geriet der in einer Rangelei mit dem Wolf, kam aber mit Blessuren davon. Das wertet DRadio-Wissen-Reporter Lars Westermann eher als gutes Zeichen. Denn: "Kurti hat es nicht darauf angelegt, den Hund zu töten."

Gefährlich nah?

Auch in einigen Dörfern wurde Kurti schon gesichtet. Hier macht sich Angst breit: Ist die Nähe zu Menschen nur eine jugendliche Phase oder wird der Wolf seine Grenzen weiter austesten?

"Was mit MT6 los ist, ist für alle, die sich intensiv mit den Wölfen beschäftigen, unerklärlich."
Sebastian Körner, Biologe und Dokumentarfilmer

Die Sozialprognose des Tieres ist eigentlich gut. Nachdem er mit dem Sender ausgestattet wurde, verhielt es sich ganz normal und hat sogar geholfen, seine Geschwister großzuziehen, erzählt der Biologe Sebastian Körner. Der Dokumentarfilmer arbeitet gerade an einem Film über Kurtis Rudel.

Da Kurti und seine Brüder und Schwestern in der Nähe eines Truppenübungsplatzes in Munster aufgewachsen sind, sind Menschen für sie nichts Ungewohntes. Vermutet wird zudem, dass Soldaten die Tiere gefüttert haben könnten. Auch das baut Distanz ab.

"Ich halte ihn aktuell für nicht gefährlich. Aber das kann man nie genau wissen. Es geht natürlich nicht, dass ein erwachsener Wolf kein Problem damit hat, sich Menschen zu nähern."
Sebastian Körner, Biologe und Dokumentarfilmer

Ein schwedischer Experte, der extra beauftragt wurde, sollte versuchen das Tier vom Menschen fern zu halten. Sein Getrietze per Gummigeschoss und Krach hatte jedoch nur begrenzten Erfolg, da Kurti dem Schweden weitgehend aus dem Weg ging. Sollte er sein Verhalten nicht ändern, droht dem Tier der Abschuss.

Ein europäischer Grauwolf
© dpa
Ein Leben in Gefangenschaft ist für den wilden Wolf Kurti keine Alternative. Andere Tiere wie dieser europäische Grauwolf sind hingegen seit Geburt daran gewöhnt, sich in einem festen Gehege zu bewegen.

So richtig will den Abschuss keiner. Eine Online-Petition hat bereits 6.000 Stimmen dagegen gesammelt. Bisher hat sich auch kein Jäger gefunden, der den Job übernehmen würde. Auch die Alternative, den Wolf einzufangen und einzusperren wäre alles andere als ideal für das wilde Tier. "Wenn man es nicht schafft so ein Tier umzuerziehen oder die Menschen nicht bereit sind mit ihm zu leben, dann muss man es töten. Das ist einfach der sauberere Weg und vermeidet weiteres psychisches Leid des Tieres", sagt der Biologe Sebastian Körner.

Der gute Einfluss der neuen Freundin

Neue Hoffnung, dass es nicht soweit kommt, gibt es seit Kurzem. Offenbar hat Kurti nun ein junges Weibchen an seiner Seite, das sich Menschen nicht nähert. Auf ihren guten Einfluss hoffen nun die Wissenschaftler. Im Idealfall hätte Kurti dann bald auch sowieso keine Zeit mehr Menschen hinterher zu laufen. Als Vater muss er sich erstmal um seine Welpen kümmern.