Dong-Seon Chang ist promovierter Neurowissenschaftler und Gehirn-Erklärer. Er sagt: "Eine Welt ohne Vorurteile ist keine menschliche Welt."

Dong hat sich lange als Außenseiter gefühlt. "In Deutschland wurde ich immer gefragt, wo ich herkomme. Da habe ich gesagt: Heidelberg. Dann wurde ich gefragt, wo ich denn wirklich herkomme…" Gemeint waren damit seine Eltern. Sein Vater kommt aus Süd- seine Mutter aus Nordkorea. Doch auch in Südkorea (Nordkorea ist als Südkoreaner weiter tabu, erst Recht wenn man eine Mutter aus Nordkorea hat) hat sich Dong nicht zu Hause gefühlt. Allen war immer irgendwie klar, dass er weder hier noch da so richtig dazugehört. Er wurde extrem schnell in sozial erlernte Schubladen gesteckt, aus denen er nur langsam rausklettern konnte

"Kategorisieren hilft uns: Nur so können wir überleben."
Neurowissenschaftler Dong-Seon Chang

Vorurteile und Kategorisierungen sind durchaus hilfreich. Sie unterstützen uns dabei, die Welt zu begreifen und zu sortieren. Das geht so schnell, dass wir das meistens überhaupt nicht mitbekommen. Wie genau das funktioniert – das hat Dong immer schon interessiert. Deshalb ist er in die Neuroforschung gegangen und wollte wissen: Wie nimmt unser Gehirn andere Menschen wahr?

"Die Frage ist: sind Menschen bereit, Schubladen neu zu ordnen?!"
Neurowissenschaftler Dong-Seon Chang

Er hat untersucht, wie Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen bestimmte Handlungen verstehen. Vom Winken über Fistbomb ("Die kennen das gar nicht in Asien!") bis zur Drohung. Dabei wollte er mögliche Unterschiede zwischen Deutschen und Koreanern herausfinden. Das Ergebnis: Die Einschätzungen, ob es sich um eine freundliche oder aggressive Gestik handelt, sind nahezu identisch. Es gibt kaum Unterschiede. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die Dong in seinem Buch parat hat: Mein Hirn hat seinen eigenen Kopf.

"Ein koreanisches Sprichwort sagt: Manche Menschen sind wie eine Wurst. Vorne zu, hinten zu. geht nichts rein, kommt nichts raus."
Neurowissenschaftler Dong-Seon Chang

In Eine Stunde Talk erzählt Dong, warum er auch gerne mal Frau Merkel erforschen würde, warum andere Menschen für unser Gehirn das Wichtigste sind und warum er gut Bier trinken kann.