Alleine mit unseren Gedanken Geräte steuern - implantierte Chips in unseren Hirnen könnten das möglich machen. In den nächsten sechs Monaten will ein Unternehmen von Elon Musk solche Gehirnimplantate an menschlichen Hirnen testen. Was davon realistisch ist und sich tatsächlich umsetzen lässt, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Es klingt nach einer Zukunftsversion - und nach einer großen Chance für Menschen, die mit Einschränkungen leben müssen: Chips in unseren Hirnen, die dabei helfen, alleine mit unseren Gedanken Geräte zu steuern und Textnachrichten zu versenden. Auch vom Up- und Download von Gedanken ist schon die Rede. Solche und ähnliche Vorhaben will zum Beispiel Elon Musk mit seiner Firma Neuralink wahr machen. In den nächsten sechs Monaten plant das Unternehmen solche Gehirnimplantate an menschlichen Hirnen zu testen.

Elon Musks Team forscht schon seit ein paar Jahren daran, neuronale Aktivität auf Geräte wie Smartphones oder iPads zu übertragen. Zukünftig könnte man so vielleicht Textnachrichten rein gedanklich formulieren und direkt auf ein Handy schicken. Und auch andersherum soll die Informationsübertragung funktionieren: Daten sollen auch in das Gehirn "hochgeladen" werden können.

Dafür soll ein Chip ins Gehirn eingesetzt werden, der im Stande ist, die Erregungsmuster unserer Hirnnerven zu lesen und zu analysieren. Elon Musks Team hat mitgeteilt, dass innerhalb des nächsten halben Jahres der erste Chip in ein menschliches Gehirn implantiert werden soll.

Up- oder Download von Gedanken technisch nicht machbar

Anhand der Gedankenmuster auszulesen, dass eine Person den Arm hochheben möchte oder in welche Richtung eine Augenbewegung gehen wird oder an welchen Buchstaben diese Person denkt, sei durchaus vorstellbar, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Aber einen Gedanken – etwa an einen Apfel – in das Hirn hinein- oder herunterzuladen, sei technisch nicht machbar, gibt er zu bedenken. Der Hintergrund: Der Gedanke an einen Apfel werde in jedem Hirn anders repräsentiert. Die Muster dafür unterscheiden sich also individuell von Hirn zu Hirn.

"Was nicht gehen wird: Dass man Gedanken ausliest oder Gedanken ins Hirn hineinlädt. Das wird technisch nicht funktionieren."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Geräte oder Computer mithilfe unserer Gedankenkraft zu steuern, sei durchaus vorstellbar, sagt Henning Beck, aber technisch noch ein sehr weiter Weg. Und nicht nur Neuralink forsche an Lösungen für diese Fragen, sondern auch andere Unternehmen.

Irgendwann wird es dank dieses Chips möglich sein, die Gedankenmuster eines Menschen zu erkennen. Etwa, in welche Richtung er einen Computer-Cursor bewegen möchte oder welche Buchstaben er im Sinn hat. Und damit kann er allein durch seine Gedanken etwa eine komplette Textnachricht schreiben.

Genauso könnte es möglich sein, dass ein Mensch eine Maschine nur durch seine Gedanken steuern kann. Allerdings wohl frühestens in 15 bis 20 Jahren, schätzt Henning Beck.

Alles, was darüber hinaus geht, deine Gefühle, deine Vorstellung, deine gesamte Gedankenwelt bleibt auch Elon Musk verschlossen, egal, was er sagt."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Besonders interessant sind diese Aussichten für Menschen, die gelähmt sind, nicht sehen können oder an einem Locked-in-Syndrom leiden und sich daher mit ihrer Umwelt nicht so gut austauschen können.

  • Moderation:  Rahel Klein
  • Gesprächspartner:  Henning Beck, Neurowissenschaftler