Viel wissen, sich ausdrücken können, empathisch und vorurteilsfrei sein. Das alles bekommt, wer fiktionale Bücher liest. Zu dem Schluss kommt ein kanadischer Psychologe im Fachjournal Trends in Cognitive Sciences, nachdem er Studien zu dem Thema ausgewertet hat.

Diese Effekte funktionieren stärker bei Erzähl-Literatur als bei Sachbüchern - weil wir da emotional stärker beteiligt sind. Und noch besser klappt es, wenn uns ein Buch richtig fesselt und die Charaktere mehrdimensional sind. Wer denkt, nun muss es mindestens ein Goethe sein, kann sich entspannen: Eine Studie hat gezeigt, dass auch Harry Potter vorurteilsfreies Denken fördert.

Soziales Denken mit fiktiven Geschichten trainieren

Menschen sind soziale Wesen, und eine Studie belegt, dass sich 60 Prozent der Sprechzeit von Männern und 70 Prozent der Sprechzeit von Frauen um soziale Themen drehen. Genau die für diese Auseinandersetzung nötigen Fähigkeiten lernen wir leichter mit Hilfe von Fiktion.

Die drei Vorteile

  1. Wer fiktionale Geschichten liest, verfügt über eine umfassendere Allgemeinbildung und kann sich besser ausdrücken
  2. Das Empathievermögen steigt nachweislich
  3. Die Lektüre fiktionaler Geschichten reduziert Vorurteile

Welche Lektüre schlau macht

Am besten klappt die Empathie-Entwicklung, wenn ihr intensiv an einer Story beteiligt seid, dass ihr das Buch nicht mehr aus der Hand legen könnt. Aber - Achtung - mit Science Fiction funktioniert das nicht. Im Gegensatz dazu sind Detektiv- und Liebesgeschichten richtig. Die Effekte funktionieren besser, wenn die Charaktere nicht zu flach sind. Damit ist der Klischee-Arztroman auch raus.

Relevant ist auch die Vermittlung der Inhalte durch den Verfasser: nicht zu viele Details und keine Bewertung der Vorgänge. Entscheidend ist der Interpretationsspielraum für den Leser. Denn dann startet das Kino im Kopf. Das zeigen auch Aufnahmen aus Computertomographen. Dabei werden genau die Regionen beim Leser aktiv, die die Roman-Figur benutzen würde. Wenn der Protagonist des Romans zum Beispiel an einem Seil zieht, springt auch beim Leser der Hirnbereich an, der mit Greifen zu tun hat.

Die Langzeit-Effekte sind noch nicht klar. Deswegen, wünscht sich der Psychologe, sollte mehr zu dem Thema geforscht werden. Hirnforscher hätten sich bisher eher mit Musik oder Kunst beschäftigt.

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