Das amerikanische Wissenschaftsmagazin "Scientific American" hat erstmals in seiner Geschichte eine Wahlempfehlung ausgesprochen: für Joe Biden und gegen Donald Trump. Der Politikwissenschaftler Robert Feustel hält das für richtig.

Die "Scientific American" ist eine renommierte wissenschaftliche Fachzeitschrift, die seit ihrer Erstausgabe vor 175 Jahren für ihre politische Neutralität steht. Statt subjektiver Meinungen bildet das Wissenschaftsblatt Fakten ab – darauf ist die Fachzeitschrift stolz.

Warum es nun zu einer deutlichen Wahlempfehlung kommt, erklärt die Redaktion ausführlich in einem Beitrag. Der Tenor: In seiner ersten Amtszeit als Präsident der USA habe Donald Trump gezeigt, dass er regelmäßig wissenschaftliche Fakten abstreite oder ignoriere. Darum sei es an der Zeit, Trump loszuwerden und Joe Biden zu wählen.

Trump: "It'll start getting cooler!"

Bekanntestes Beispiel für Trumps Ignoranz gegenüber der Wissenschaft: Der Klimawandel. Erst vor wenigen Tagen sagte er vor dem Hintergrund der großflächigen Brände entlang der Westküste der USA: "It'll start getting cooler! You just watch! I don't think science knows, actually."

Aussagen wie diese reihen sich in eine Folge von Handlungen ein, die gegensätzlich zu wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen, wenn es um die globale Erwärmung geht.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat Trump etwa den von Barack Obama entwickelten "Clean Power Plan" rückgängig gemacht und auf heimische Kohle gesetzt. Und im Sommer 2017 sorgte er für einen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen.

Trump: "This is a flu, this is like a flu!"

Einen ähnlichen Standpunkt gegenüber wissenschaftlichen Belegen hat der US-Präsident auch, wenn es um das neuartige Coronavirus geht. In einem Interview mit dem Journalisten Bob Woodward vom März, das nun veröffentlicht wurde, sagte Trump, er würde das Coronavirus bewusst runterspielen, um keine Panik in der Bevölkerung auszulösen.

Dabei sind die USA das Land mit den höchsten Infektionszahlen: mit aktuell über 6,6 Millionen nachgewiesener Fälle und mehr als 195.000 Toten, laut Johns Hopkins University.

Partei ergreifen für eine Perspektive

Vor diesem Hintergrund hält der Soziologe und Politikwissenschaftler Robert Feustel den Schritt des Wissenschaftsblatts zur Wahlempfehlung für ethisch und moralisch notwendig. Auch wenn die Scientific American sich normalerweise nicht mit politischen Themen befasst.

"Überparteilichkeit hat natürlich einen Wert. Andererseits gibt es auch Werte oder einen Grundwert der Wissenschaft: Das sind Erkenntnisse, Befunde, Beweise, Belege."
Robert Feustel, Soziologe und Politikwissenschaftler

Feustel ist persönlich nicht unbedingt ein Fan von Joe Biden, aber er sagt: "Auf der anderen Seite steht einer, der im Prinzip mit einer Art proto-faschistischer Machtergreifung das demokratische System unterläuft und gleichzeitig noch mit einer fulminanten Leugnung von Vernunft und Wissenschaft seinen eigenen Kontinent und auch die Klimasituation riskiert."

Gerade weil der US-Präsident immer wieder wissenschaftliche Belege ignoriere und gegensätzlich zu den Erkenntnissen der Forschenden handle, sei es an der Zeit, dass auch die Wissenschaft Partei ergreife: Nicht für eine politische Partei, aber für eine Perspektive.