Die Wirtschaft leidet massiv unter der Corona-Krise. Auch die Autoindustrie ist davon betroffen und in Deutschland besonders stark. Sie fordert darum eine Prämie für Kunden, die einen Neuwagen kaufen. Kritiker befürchten: Das bringt so wenig wie zuvor schon die Abwrackprämie.

Eine ähnliche Prämie gab es auch schon 2009: die Abwrackprämie. Damals flossen fünf Milliarden Euro in diese Maßnahme. So viel sollte es laut Wirtschaftsminister Peter Altmaier nun wieder sein.

"Kurzfristig führen solche Prämien zwar zu einem Anstieg, doch sobald die Förderung ausläuft, brechen auch wieder die Verkaufszahlen ein."
Silke Hahne, Deutschlandfunk Nova

Kritiker schätzen den Effekt einer solchen Prämie allerdings gering ein. So auch Silke Hahne aus der Deutschlandfunk Wirtschaftsredaktion. Sie sagt: Kurzfristig können solche Prämien zwar zu einem Anstieg führen, doch sobald die geplanten fünf Milliarden Euro verbraucht sind, brechen auch die Verkaufszahlen wieder ein.

Prämie gleicht einem "Strohfeuer"

Das Ifo-Institut hat mehrere Prämien, die während der Finanzkrise ausgezahlt wurden, in einer Studie verglichen, berichtet Silke Hahne. Das Ergebnis: Die Zahlen stiegen kurzfristig an, doch die Prämien verfehlten ihren Zweck. Durch die Prämien sei die Produktion nicht gestiegen – die Händler hätten nur verkauft, was sowieso auf ihren Hof stand. Viele Verbraucher hätten sich sowieso ein Auto gekauft oder haben ihren Kauf nur vorgezogen. Neue Anreize schaffe eine solche Prämie kaum.

Auch andere Güter könnten gefördert werden

Die Prämie soll dazu dienen, die Wirtschaft anzukurbeln. Denn nicht nur die Produzenten, sondern auch die Zulieferer würden dadurch profitieren, so die Befürworter der Prämie. Dadurch würde die Wertschöpfungskette gestärkt. Autos sind aber nicht die einzigen komplexen Güter, die aus vielen verschiedenen Teilen bestehen, sagt Silke Hahne. Es gäbe also auch weitere Güter, die durch öffentliche Förderung die Wirtschaft anschubsen könnten. Gerade im Bereich Mobilität könnte man auch beispielsweise Züge fördern.

"Eine Auto-Prämie hat Nebenwirkungen für andere Branchen."
Silke Hahne, Wirtschaftsredaktion

Der Effekt einer solchen Autoprämie könnte nicht nur kurzfristig und gering sein, sondern auch anderen Branchen schaden. "Jemand der einen Neuwagen kauft, muss auch danach erstmal mehrere tausend Euro dafür noch ausgeben", sagt Silke Hahne. Verbraucher würden dann auch keine anderen teuren Anschaffungen mehr tätigen können, wie etwa Möbel.

Keine Nachhaltigkeit durch Prämie

Durch die Abwrack-Prämie im Jahr 2009 ist der Co2-Ausstoß angestiegen, obwohl sie als Umwelt-Prämie gedacht war, sagt Silke Hahne. Das lag daran, dass die Kriterien für den Co2-Ausstoß der Neuwagen nicht geregelt war. Das war zwar in den USA anders, dort wurden mehr Kleinwagen verkauft. Und trotzdem: Forscher stellten fest, dass mit dem Geld, das in die Prämie geflossen ist, in anderen Bereichen mehr Co2 hätte einspart werden können.

"Ein durchschnittlicher Neuwagen in Deutschland stößt 150 Gramm Co2 pro Kilometer aus. Die EU-Richtlinie erlaubt nur maximal 95 Gramm pro Kilometer. Ein Neuwagen ist also nicht gleich umweltfreundlich."
Silke Hahne, Wirtschaftsredaktion

Viele Neuwagen entsprechen nicht umweltfreundlichen Kriterien, erklärt Silke Hahne. So stößt ein durchschnittlicher Neuwagen in Deutschland 150 Gramm Co2 pro Kilometer aus – die EU erlaubt ab nächstem Jahr nicht mehr als 95 Gramm pro Kilometer. Durch die Prämie werden allerdings nur Neuwagen verkauft, die gerade auf dem Markt sind, also diesen Standards nicht entsprechen.

Von der Möglichkeit, die Prämie nur für E-Autos auszuzahlen, hält Silke Hahne allerdings auch wenig: Das Geld sollte besser in den Ausbau der Ladestationen und in die Batterieforschung für E-Autos gesteckt werden, glaubt sie.

Korrektur: Die Summe für die frühere Abwrackprämie und für die jetzt von Wirtschaftsminister Peter Altmaier gewünschte Summe für die Kaufprämie war in einer früheren Version dieses Artikels fälschlicherweise mit 500 statt mit 5 Milliarden beziffert.