Sie blinkt, sie leuchtet an Fassaden und auf Bussen fährt sie an uns vorbei - sie ist einfach überall in der Stadt: Werbung. In Berlin soll das jetzt anders werden. Was das genau bedeutet, und wie es in werbefreien Städten bereits funktioniert, hat sich Deutschlandfunk Nova Reporterin Magdalena Bienert angeschaut.

Berlin soll werbefrei werden. Heißt: kahle Bushaltestellen, leere Litfaßsäulen und schlichte, nackte Baugerüste. Das zumindest will jetzt die Initiative "Berlin Werbefrei" mit einem Volksentscheid durchbringen. Das Ganze nennt sich "Antikommodifizierungsgesetz", ein Gesetz, mit dessen Hilfe die Werbung in öffentlichen Einrichtungen und im öffentlichen Raum reguliert werden soll. 

"Es ist schlimmer geworden in den letzten Jahren, weil einmal die Quantität massiv zugenommen hat, aber auch die Qualität der Werbung."
Fadi El-Ghazi von der Initiative "Berlin Werbefrei"

Die Initiative in Berlin kritisiert zum Beispiel, dass der Senat die Ausbreitung von Werbung unterstützt und selbst Geld damit verdienen will. Derzeit laufe zum Beispiel eine neue Ausschreibung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Dabei gehe es um die Aufstellung von rund 8000 neuen Werbeanlagen im öffentlichen Raum. Zudem vermieteten immer mehr Hauseigentümer die Fassaden ihrer Häuser als Werbefläche. Die Initiative will auch, dass Werbung und Sponsoring an Schulen, Universitäten und in anderen öffentlichen Einrichtungen transparenter wird.

Berlin wäre nicht die erste Stadt, in der Werbung im öffentlichen Raum verboten beziehungsweise eingeschränkt wird. Vorzeigestadt ist das brasilianische Sao Paulo. Da wurde 2007 das "Clean City Law" verabschiedet. Das Gesetz verbietet jegliche Art der Außenwerbung. Bei einer Umfrage der Stadt von 2011 gaben 71 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Lebensqualität durch das "Clean City Law" spürbar verbessert habe.

Auch die französische Stadt Grenoble hat Ende 2014 damit angefangen, Werbeflächen abzuschaffen. Die Stadt ist im Vergleich zu Berlin natürlich wesentlich kleiner und so gab es dort insgesamt nur 326 Werbetafeln. Statt der Tafeln wurden an vielen Stellen übrigens Bäume gepflanzt. 

Sollte der Volksentscheid in Berlin Erfolg haben, würde die Stadt übrigens nicht völlig nackt dastehen. Konzertplakate und Werbung für Kulturveranstaltungen sollen weiterhin erlaubt sein.