Einfach mal ein Auge zudrücken - das macht die New Yorker Polizei zurzeit offenbar ganz bewusst. Ein Protest gegen den Bürgermeister ihrer Stadt.

Sich in New York City mal richtig daneben benehmen? Gerade ist die Zeit günstig, sagt Korrespondent Georg Schwarte. Der Grund: Seit dem 20. Dezember guckt die New Yorker Polizei nicht mehr so richtig hin - und das offenbar mit Absicht. An diesem Tag wurden zwei Polizisten erschossen. Mutmaßlich aus Rache wegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Seitdem befinden sich die New Yorker Polizeibeamten offenbar in einer Art inoffiziellem Bummelstreik und drücken an verschiedenen Stellen mehrere Augen zu. Der Grund: Sie fühlen sich von Bürgermeister Bill de Blasio ungerecht behandelt. Weil de Blasio öffentlich angedeutet hat, die New Yorker Polizei würde Schwarze anders behandeln als Weiße. Der Chef der New Yorker Polizeigesellschaft sagt jetzt: Bill de Blasio habe Blut an den Händen.

Misst die Polizei mit zweierlei Maß?

Die Vorgeschichte: Im Dezember hat eine Grand Jury einen Polizeibeamten von jeder Schuld freigesprochen, der einen Schwarzen per Würgegriff festnehmen wollte und ihn dabei umbrachte. Das Ganze war auf einem Handyvideo zu sehen. Es kam nicht einmal zu einem Prozess. Der New Yorker Bürgermeister solidarisierte sich damals mit den Demonstranten. Und er tat noch mehr. De Blasio ist mit einer Schwarzen verheiratet und er berichtete davon, wie er seinem Sohn von klein auf beigebracht habe, wie er sich zu verhalten habe, um keinen Ärger mit der Polizei zu bekommen. Der Subtext ist klar: Die New Yorker Polizei misst mit zweierlei Maß und macht einen großen Unterschied zwischen weißen und schwarzen Verdächtigen. Die Gesetzeshüter der Stadt waren natürlich empört und beschwerten sich, der Bürgermeister sei ihnen öffentlich in den Rücken gefallen.

"Auch wenn der Polizeichef es bestreitet und es kein Polizist offen sagt - die 35.000 Beamten in New York sind offenbar in einer Art Murmelstreik."
Georg Schwarte, Korrespondent in New York

Jetzt stellen die Gesetzeshüter die Arbeit ein. Auch wenn sie sich nicht dazu äußern - die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Die Zahl der Festnahmen ist im Vergleich zu Vorjahreszeitraum um 50 Prozent gesunken. Die Zahl der Verkehrstickets sank sogar um 90 Prozent. Vor diesen eher handfesten Schritten fiel der Protest eher symbolisch aus. Bei der Trauerfeier für die erschossenen Polizisten wandten die Kollegen dem Bürgermeister bei dessen Rede den Rücken zu.

New York erlebt zurzeit einen Machtkampf zwischen Polizei und Bürgermeister. Dabei muss man wissen: New Yorks Polizei hält sich für etwas ganz Besonderes. Es herrscht ein ausgeprägter Korpsgeist. Kritiker sprechen davon, dass diese Solidarität unter den Beamten auch nicht vor dem Gesetz haltmache. Die Beziehung zum Bürgermeister ist zerrüttet. Der Polizeichef muss versuchen, zu vermitteln. Bis dahin wird weiter gebummelt - auch wenn keiner darüber spricht.