K.o.-Tropfen in einem Getränk können wir weder riechen, schmecken noch sehen. Nun gibt es einen Schnelltest, mit dem wir feststellen können, ob sich Liquid Extasy in unserem Drink befindet – es ist auch als "K.o-Tropfen" bekannt. Allerdings zeigt der Test viele andere Betäubungsmittel nicht an.

Inzwischen gibt es den K.o.-Tropfen-Schnelltest in einer Drogeriekette zu kaufen - immer mal wieder ist er ausverkauft. Der Test erinnert an ein Festivalbändchen. Auf dem Bändchen sind zwei Punkte, auf die wir einen Tropfen unseres Getränks darauf träufeln können, um festzustellen, ob unser Drink K.o.-Tropfen enthält.

Die einen K.o.-Tropfen gibt es nicht

Allerdings ist das Ganze nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn es gibt rund 100 verschiedene Wirkstoffe, die als Betäubungsmittel genutzt werden können. Dazu zählen viele Stoffe wie Lösungsmittel und Medikamente, die es legal zu kaufen gibt. Und auch Wirkstoffe, die in niedriger Dosierung als Partydrogen gelten.

Der Schnelltest kann genau einen Stoff nachweisen: Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) - auch bekannt als Liquid Ecstasy. Darin sieht der forensische Toxikologe Volker Auwärter das Hauptproblem. GHB ist zum Beispiel nur schwer zu bekommen. Anders ist das bei dem Lösungsmittel γ-Butyrolacton oder GBL Es ist ein Vorläuferstoff von GHB, der legal im Internet gekauft werden kann. Und dieses GBL, das sich beispielsweise auch in Nagellacken befindet, kann von dem Schnelltest nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass der Test uns ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln kann.

"Das gibt es zwar als Arzneimittel, aber auf dem Drogenmarkt – wo jemand, der jetzt vielleicht als Täter in Betracht kommt – sich das besorgen würde, da wird nicht auf GHB zurückgegriffen, sondern auf den inneren Ester GBL. Und der wird von dem Test eben nicht erkannt."
Volker Auwärter, Leiter der forensischen Toxikologe, Universität Freiburg

Unklar, wie oft K.o.-Tropfen eingesetzt werden

Volker Auwärter sagt, dass K.o.-Tropfen nicht so oft eingesetzt werden, wie wir das möglicherweise annehmen. Es ist schwer zu sagen, wie viele Fälle es tatsächlich gibt, in denen Betäubungsmittel eingesetzt wurden. Das liegt zum einen daran, dass sich manche Opfer zu sehr schämen, um den Vorfall zu melden. Zum anderen aber auch daran, dass die Person möglicherweise so lange betäubt war, dass das Mittel gar nicht mehr im Blut nachgewiesen werden kann.

Was an dieser Kritik, die von wissenschaftlicher Seite geäußert wird, sicher zutreffend ist, ist, dass das Phänomen tendenziell überschätzt wird. Wir haben natürlich Fälle, wo wir das nachweisen können. Nur zahlenmäßig ist das ein relativ kleiner Anteil an den Verdachtsfällen."
Volker Auwärter, Leiter der forensischen Toxikologe, Universität Freiburg

In Berlin wurden im letzten Jahr 230 Fälle gemeldet, in denen möglicherweise K.o.-Tropfen eingesetzt wurden. In den Städten Düsseldorf und Aachen ist die Zahl der gemeldeten Fälle geringer: Jährlich melden sich circa 20 Frauen bei den Beratungsstellen, weil sie den Verdacht haben, mit K.o.-Tropfen betäubt und dann vergewaltigt worden zu sein.