In Deutschland wird auf Plakatwänden, an Bushaltestellen oder im Kino für Zigaretten geworben. Die Bundesärztekammer hat sich wieder einmal für ein Verbot ausgesprochen. Aber: Die Tabakindustrie sagt: Wir werben gar nicht für Nichtraucher, sondern nur für Raucher.

Ziel der Zigarettenwerbung soll laut Hersteller sein, Rauchende für ihre eigene Marke zu gewinnen. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt findet als Nichtraucher, dass die Werbebotschaften mit "Spaß haben", "frei", "wild" und "individuell" sein, auch ihn durchaus erreichen. Die Botschaften sprechen psychologische Bedürfnisse an, sagt auch Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Uni Düsseldorf.

"Das sind Botschaften, die typischerweise psychologische Bedürfnisse von Jugendlichen ansprechen. Da geht es um Popularität, Gruppenzugehörigkeit, Rebellion und all die Sachen, die in diesen Altersphasen eine Rolle spielen."
Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Uni Düsseldorf

Vor allem Jugendliche sollten mit den Botschaften erreicht werden. In ihrer Altersphase gehe es um Persönlichkeitsfindung, Popularität, Gruppenzugehörigkeit und Rebellion, so der Suchtforscher. Wissenschaftliche Studien belegten, dass Tabakwerbung Jugendliche und junge Erwachsene anspreche und sie dadurch verleite, mit dem Rauchen anzufangen, sagt Daniel Kotz. Wer dann beginne, mit dem Tabak Nikotin aufzunehmen, könne dann später nicht mehr damit aufhören.

Wie die Tabaklobby ihre Interessen in der Politik durchsetzt

Rauchen schadet der Gesundheit. Das können alle auf den Zigarettenschachteln lesen. Seit 2007 gibt es auch das Nichtraucherschutzgesetz und vor 15 Jahren hatte sich Deutschland verpflichtet, ein umfassendes Verbot von Tabakwerbung umzusetzen – bis 2010. Passiert ist nichts, obwohl die Mehrheit der Deutschen - darunter auch Raucher - für ein Verbot der Außenwerbung für Tabak ist. Und auch die Bundesärztekammer fordert noch mal ein Verbot.

"Das liegt letzten Endes am starken Einfluss der Tabaklobby."
Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Uni Düsseldorf

Dass es in Deutschland immer noch Zigarettenwerbung gibt, liegt am starken Einfluss der Tabaklobby, sagt Daniel Kotz. Den festigt sie sich mit üppigen Parteispenden wie zum Beispiel zur Bundestagswahl 2017: 72.000 Euro erhielt die CDU von der Tabakindustrie, 15.000 Euro bekamen jeweils die SPD und die FDP. Noch mehr Geld ist durch Parteisponsoring geflossen: 500.000 Euro Sponsoring-Geld zahlte der Tabak-Konzern Philipp Morris an verschiedene Parteien – das meiste davon ging an die CDU. Die Gelder wurden für Parteitage, Jahresfeiern, Sommerfeste und Jubiläumszeitschriften verwendet.

Kommunalpolitiker verdienen an Zigarettenwerbung

Und so wundert es auch nicht, dass gerade die CDU sich dafür einsetzt, dass die Werberegelungen für die Tabakindustrie weiter locker bleiben. CDU-Kommunalpolitiker sollen sich dafür stark gemacht haben, dass Plakatwerbung an Bushaltestellen und Litfaßsäulen erlaubt bleibt. Der Grund: Sie seien ein wichtige Einnahmequelle für Kommunen. Suchtforscher Daniel Kotz sieht darin einen Widerspruch. Kommunen seien für den Gesundheitsschutz ihrer Bürger verantwortlich und sollten keine Werbung für ein Produkt zulassen, das krebserregend ist, kritisiert er.

"Das ist so ein Scheinargument, weil man als Kommune, die auch für Gesundheitsschutz verantwortlich ist, nicht Werbung unterstützen kann, die ein krebserregendes Produkt bewirbt."
Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Uni Düsseldorf

Tatsächlich investiert die Tabakindustrie laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 98 Prozent ihrer Werbegelder in diese Außenwerbung.

Auch in der Union scheinen mittlerweile immer mehr Politikerinnen und Politiker ein Werbeverbot zu befürworten, sodass es vielleicht doch noch zu einem Verbot für Zigarettenwerbung kommt. Aber was ist mit E-Zigaretten? In einer vor Kurzem veröffentlichten gemeinsamen Studie der Uni Mainz mit der Uni Harvard warnen die Forscher vor E-Zigaretten, die besonders für Jugendliche ein Einstieg zum Rauchen sein können. Einer der beteiligten Forscher, Thomas Münzel von der Uniklinik Mainz, fordert deshalb: Auch E-Zigaretten-Werbung gehört verboten.