Nicole Mosblech ist 41 Jahre alt, Versicherungskauffrau und Mutter eines acht Jahre alten Sohnes. Sie hat Krebs im Endstadium. Viel Zeit bleibt ihr nicht mehr. Aber sie hadert nicht mit ihrem Schicksal. DRadio-Wissen-Moderatorin Verena von Keitz hat sie besucht und mit ihr über das Ende ihres Lebensweges gesprochen.

An Nicole Mosblechs aktuellem Zustand gibt es nichts zu beschönigen. Der Krebs hat sich tief in ihren Körper gefressen. Er hat die Leber befallen, das Zwerchfell und er lässt sie spüren, dass es ihn gibt. Jede Bewegung kann extrem starke Schmerzen verursachen. Besonders stehen oder laufen bereiten ihr heftige Probleme.

Der Gang aus der Wohnung - eine endlose Tortur. Denn das heißt: mindestens vier Minuten bis zum Auto. Vier Minuten in denen sie sich nicht hinsetzen kann. Wenn sie dann doch Schmerzen bekommt, muss sie sich setzen. Sofort. Egal, wo sie gerade ist. Unter ihrer Haut haben sich Tumorknoten gebildet. Manche davon sind groß wie ein Golfball. Ohne Palliativmedizin, sprich schmerzlindernde Medikamente, wäre das alles nicht zu ertragen.

"Mein Alltag hat sich komplett gedreht. Es geht immer weiter in Richtung Unselbständigkeit, ja auch in Richtung Tod, das muss man einfach sagen. […] Ich spüre, dass mein Körper immer weiter abbaut."
Nicole Mosblech über ihren Gesundheitszustand

"Tun sie sich das aus dem Kopf, sie sind geheilt"

Als bei ihr 2008 ein stark fortgeschrittener Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert wurde, war der Schock groß. Trotz ständiger Früherkennungsuntersuchungen hatte sich der Krebs bereits stark in ihrer Gebärmutter ausgebreitet. Die Ärzte mussten sofort handeln. In einer fünfstündigen Operation wurde die Gebärmutter entfernt. Es folgten eine Chemotherapie und starke Bestrahlungen. Das alles war hart, teilweise unerträglich. Aber Nicole Mosblech hat sich durchgekämpft, durchgehalten - und gewonnen.

Die Ärzte haben ihr eine krebsfreie Zukunft versprochen: "Tun sie sich das aus dem Kopf, sie sind geheilt", hieß es. Bis Nicole Mosblech vor etwas mehr als einem Jahr mit Schulterschmerzen beim Arzt sitzt. Weil zunächst niemand etwas finden kann, ist sie nicht weiter beunruhigt. Die Schmerzen blieben - und dann findet doch irgendwann ein Arzt etwas.

"Ich saß da nur völlig leer und ausgebrannt. Und ich hab gesagt: 'Ich weiß nicht, was ich sagen soll.' Alles überschlug sich in meinem Kopf in dem Moment."
Nicole Mosblech über den Moment, als sie davon erfährt, dass der Krebs nicht heilbar ist

Die Freunde trösten

Die Ärzte müssen Nicole Mosblech erklären, dass der Krebs gestreut hat. Dass er lebenswichtige Organe befallen hat und es keine Chance auf eine Heilung gibt. Bei den ersten Gesprächen mit den Ärzten hat sie noch gedacht, dass sie es schaffen könnte. Dass sie auch diesen Krebs besiegt. Aber als der Onkologe ihr erklärt, wie stark der Tumor gewuchert ist, wie heftig er bereits gestreut hat, da wird ihr klar: das war's. Nicht heute, nicht morgen - aber meine Zeit hier hat sich rapide verkürzt.

"Dann habe ich die Frage gestellt, die man ein Mal stellt, wenn man sowas hört, aber danach auch nie mehr wieder, weil man es danach besser weiß. Und ich hab dann eben gefragt: Ja, wie lang hab ich denn noch?"
Gute Ärzte machen keine Erklärungen über die Lebenserwartung, sagt Nicole Mosblech

Sie informiert ihren Ex-Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt, und ihre Freunde. Die sind fassungslos. Viele von ihnen stürzt die Nachricht in tiefe Traurigkeit. Nicole Mosblech nicht. Sie kann das nicht erklären, aber sie ist nicht so der Angsttyp, sagt sie. Und so passiert es, dass nicht sie es ist, die Trost braucht, sondern dass sie ihre Freunde tröstet.

Ganz viel Liebe

Inzwischen ist der Krebs so stark fortgeschritten, dass Nicole Mosblech nicht mehr alleine zurecht kommt. Aber die Freunde, die sie zu Anfang getröstet hat, sind bei ihr geblieben. Sie kümmern sich liebevoll, helfen beim Haushalt, bringen Essen oder sitzen einfach nur bei ihr, um mit ihr zu sprechen. Und auch, wenn Nicole Mosblech jetzt mehr und mehr Ruhe braucht - sie genießt die Liebe, die sie gerade umgibt.

Auch DRadio Wissen Moderatorin Verena von Keitz erlebt, was Nicole Mosblech zu einem ganz besonderen Menschen macht. Ihre Stimme klingt lebendig, positiv und immer schwingt ein Lachen mit. Sie ist ein Mensch, der gerne erzählt - und dem man sehr gerne zuhört:

"Man muss versuchen weiter auch die positiven Dinge zu sehen, denn die sind alle da! Die sind da! Und zwar unabhängig von diesem Zeitfaktor, der einem immer aufgedrückt wird."
Nicole Mosblech bleibt Optimistin

Literaturempfehlung von Nicole Mosblech:

Das Buch "Über den Tod und das Leben danach" der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross hat Nicole Mosblech viel Kraft gegeben.

Nachtrag: Am 4.2.2015 ist Nicole im Kreis ihrer Freunde im Krankenhaus gestorben.

Moderation: Verena von Keitz
Gesprächspartnerin: Nicole Mosblech