Hans Frank war Generalgouverneur der Nazis in Polen. Er galt als "Schlächter von Polen". 1946 wurde er bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt. Niklas Frank ist sein Sohn, er war sieben, als sein Vater am Strang starb - und rechnet bis heute mit ihm ab. Ein Interview über ein ungewöhnliches Erbe.

In Polen war Niklas Frank Vater zuständig für vier große Vernichtungslager. Er war mitverantwortlich für die Ermordung Hundertausender Polen, er ließ polnische Zwangsarbeiter nach Deutschland bringen und schickte Millionen Juden in den Tod. Am 4. Mai 1945 wurde Hans Frank von amerikanischen Soldaten verhaftet. Am 16. Oktober 1946 wurde er in Nürnberg hingerichtet. Sein Sohn Niklas Frank war damals sieben Jahre alt.

Zuvor hat er den Prozess gemeinsam mit seiner Mutter und den Geschwistern im Fernsehen verfolgt. Als die Verhandlungen gegen Hans Frank begannen, machte dieser ein Schuldeingeständnis. "Am Gründonnerstag 1946 war mein Vater dran, da hat er überraschend seine Schuld zugegeben an der Vernichtung der Juden. Diese Schuld hat er dann wieder zurückgenommen, mit seinen letzten Worten im Oktober 1946."

"Er hat gesagt, all die Verbrechen von denen er jetzt erfahren habe, die Polen, Russen und Tschechen gegen die deutsche Bevölkerung verübt haben, haben jede nur mögliche Schuld des deutschten Volkes schon jetzt getilgt."
Niklas Frank über die letzten Worte seines Vaters

Ein Frage der Schuld

Mit seinen letzten Worten habe sein Vater auch vorgeben wollen, wie das deutsche Volk mit der Nazivergangenheit umgehen solle, sagt Niklas Frank im Interview. Niklas Frank erinnert sich auch an die Reaktion seiner Mutter auf das Schuldeingeständnis des Vaters: Sie sei stolz auf ihn gewesen und habe ihm dann geschrieben, wie toll er sei. Die Schuld erwähnte die Mutter in den Briefen dann nicht mehr. Warum? "Wenn er sich schuldig bekennt, ist es ja seine Frau auch und alle, die mit dieser Familie zusammenhängen. Eigentlich waren sie dagegen", sagt Niklas Frank.

Niklas Frank hatte vier Geschwister, die mittlerweile alle tot sind. Drei seiner Geschwister haben den Vater bis zum Schluss als "unschuldiges Opfer der Siegerjustiz" verteidigt. Sein ältester Bruder Norman war emotional in der Zwickmühle:

"Mein ältester Bruder Norman hat den schönen Satz gesagt: Ich weiß, dass mein Vater ein Verbrecher war aber ich liebe ihn. Und aus dieser Falle ist er nie herausgekommen."
Niklas Frank über seinen älteren Bruder

Den Tod verdient

Niklas Frank hat sich als einziges der Geschwister Zeit seines Lebens mit seinem Vater auseinandergesetzt. Er hat alles gesammelt, was er zu ihm gefunden hat, hat dessen Korrespondenzen gelesen und 1987 das Buch "Der Vater. Eine Abrechnung" veröffentlicht. Er sagt, dass er froh ist, dass sein Vater zum Tode verurteilt wurde. Frieden hat er mit seinem Vater bis heute nicht geschlossen, weil ihn die vielen Opfer des Nationalsozialismus bis heute fast täglich wütend machen.

"Ich bin total gegen die Todesstrafe, aber meinem Vater gönne ich diesen Tod. Den hat er wirklich verdient."
Niklas Frank ist froh, dass sein Vater tot ist

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