In den USA startet der Nominierungsparteitag der US-Demokraten – und zwar online. Eine der Delegierten ist Anya Leonhard: Die US-Amerikanerin lebt und studiert in Leipzig. Obwohl Joe Biden nominiert werden soll, muss sie für Bernie Sanders wählen. Warum das so ist, erklärt sie im Gespräch. Und auch, was sie sich von dem digitalen Parteitag erwartet.

Heute (17. August) startet der viertägige Nominierungsparteitag der US-Demokraten für die Präsidentschaftswahl am 3. November. Der Parteitag sollte in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin mit tausenden Delegierten stattfinden, wird wegen der Corona-Pandemie nun aber weitgehend online abgehalten.

Joe Biden wird online nominiert

Zu den Delegierten, die digital dabei sein werden, gehört Anya Leonhard. Die 22-Jährige ist US-Amerikanerin und lebt zurzeit in Leipzig, wo sie Medizin studiert. Sie gehört zu den "Democrats Abroad", einer Untergruppe der US-Demokraten, die sich im Ausland aufhalten. Aus ihren Reihen dürfen 24 Delegierte bei der Nominierung wählen – und davon sind drei aus Deutschland.

Beim Parteitag soll Joe Biden offiziell als Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten und Kamala Harris als Vize nominiert werden. Anya ist jedoch verpflichtet für Bernie Sanders ihre Stimme abzugeben: Denn die Delegierten repräsentieren das Ergebnis der Vorwahlen abhängig vom jeweiligen Bundesstaat. Die "Democrats Abroad" gelten quasi als Bundesstaat. Und bei den Vorwahlen hatte Bernie Sanders bei den "Democrats Abroad" rund 60 Prozent der Stimmen geholt. Das Ergebnis ist für die Delegierten verpflichtend.

"Wir – die Delegierten – fungieren wie Wählmänner, beziehungsweise Wahlfrauen, für diesen Parteitag."

Aber nach der Nominierung von Joe Biden und Kamala Harris wird sie dann Werbung für die beiden machen.

Immerhin können sich alle dazuschalten

Dass der Parteitag diesmal online stattfindet, habe Vor- und Nachteile, so Anya. Manche befürchteten, dass die natürliche Dynamik verloren gehe. Zugleich können sich diesmal aber alle Bürgerinnen und Bürger einfach online dazuschalten. Denn ansonsten ist der Parteitag eine geschlossene Veranstaltung.

Es wird zahlreiche Reden geben von bekannten US-Demokraten, dazu gehören Barack und Michelle Obama. Auch Bernie Sanders und Kamala Harris werden sprechen. Ebenso Joe Biden, der am Donnerstag dann die Nominierung offiziell annehmen wird. Ebenso wird es im Laufe des Tages digital verschiedene Gruppentreffen geben.

"Alle sind sehr aufgeregt. Und dieser Parteitag ist wichtig."
Anya Leonhard

Der Parteitag sei von großer Bedeutung, so Anya Leonhard. "Alle sind wahnsinnig motiviert." Es sei auch wichtig, die progressiven US-Amerikanerinnen und -Amerikaner weiterhin einzubinden. "Die Menschen, die Bernie Sanders gewählt haben, waren mit viel Herz dabei", sagt Anya. Die Demokraten seien aber auf einem guten Weg.

Damit Anya nicht allein vor ihrem PC in Leipzig den Parteitag erleben muss, hat sich mit anderen Delegierten in Großbritannien zusammengetan. Sie wird nach London reisen und dort gemeinsam mit den anderen Delegierten digital dabei sein.