Der US-Amerikaner Neil Armstrong war der erste Mensch auf dem Mond. Außer ein paar Gesteinsproben hat das den USA nicht viel eingebracht – abgesehen von viel Prestige. Warum es seit dem Apollo-Programm keine bemannte Mondmission mehr gab, erklärt der Physiker Volker Ossenkopf-Okada.

Die Physik lässt sich nun einmal nicht überwinden. Das bedeutet: Für einen bemannten Raumflug ist eine gigantische und hochkomplexe Technik erforderlich, die zudem allergrößte Lebensgefahren in sich birgt.

Um die 370.000 Kilometer zum Mond zurückzulegen, müssen die Astronauten aus dem Schwerefeld der Erde katapultiert werden. Die Geschwindigkeit der Rakete dafür muss exakt 40.000 Kilometer pro Stunde betragen, so der Physiker Volker Ossenkopf-Okada. Als Vergleich: Eine Gewehrkugel ist zehnmal langsamer als eine Rakete.

Die Raumfahrt ist lebensgefährlich

Höhere Geschwindigkeiten sind nicht möglich, da der Mensch maximal das Zwanzigfache der Erdbeschleunigung aushält. Ein weiteres Problem sind die Unmengen an Energie, die mit einer riesigen Ausströmgeschwindigkeit aus der Triebwerksdüse ausgeleitet werden müssen.

"Es ist nach wie vor so, dass es immer wieder Fehlschläge gibt, weil wir eine hoch komplizierte Technik haben, die wir Explosionsbedingungen aussetzen."

Permanente Explosionen an Mehrstufenraketen sind nötig, um gegen die enorme Anziehungskraft der Erde anzukommen. Die Gefahren haben sich in vielen Rück- und Fehlschlägen gezeigt, bei denen Menschen umgekommen sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Astronauten der Apollo 11-Mission überleben würden, lag nach Berechnungen aus dem Jahr 1969 bei nur 5 Prozent.

Heute lautet die Devise, dass Weltraumfahrende eine Überlebenschance von 99 Prozent haben sollten. Dafür sind aber so viele Doppel-Absicherungen und Alternativpläne nötig, dass die Kosten der NASA (der US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft) für eine bemannte Mondlandung aktuell auf 133 Milliarden Dollar geschätzt werden.

Volker Ossenkopf-Okada forscht und lehrt am Physikalischen Institut der Universität zu Köln. Sein Thema: "Der große Schritt. Von der Schwierigkeit, den Mond zu erreichen." Gesprochen hat er am 22. Mai 2019 auf der Ringvorlesung des Instituts für Medienkultur und Theater zu "Mondspiegelung. Mediale Aneignung des Erdtrabanten".

Korrektur:

Volker Ossenkopf-Okada hat sich an einer Stelle versprochen: Den merkwürdig farbigen Stein auf dem Mond hat Alan Shepard und nicht Michael Collins gesehen.