Wer die Zeit der Panini-Sammelbilder vermisst, wird um den neuen Hype sehr glücklich sein: digitale Sammelbilder, die man wie früher kaufen, tauschen und sammeln kann. Gerade erleben diese einen großen Boom in der Sportwelt – fragt sich nur, wie lange noch.

Mehr als 200.000 Dollar für einen kurzen Videoclip, in dem NBA-Superstar Lebron James einen spektakulären Korb wirft – das klingt erstmal nach etwas zu viel Geld für einen Ball, der in einen Korb fliegt. Das Besondere daran ist aber: Der Käufer ist danach der rechtmäßige Eigentümer dieses einen Moments, den es so nur einmal zu kaufen gibt.

Der Kauf funktioniert über einen fälschungssicheren Eintrag in der Blockchain. Dieser Eintrag ist dann automatisch eine digitale Besitzurkunde, die man als Non-fungible Token, kurz NFT, bezeichnet.

Digitale Sammelbilder sind gerade nicht nur für Sportfans, sondern auch für Krypto-Interessierte das neue große Ding. Unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat ist sich allerdings nicht sicher, ob sich der Hype auf Dauer durchsetzen wird.

Common, Legendary, Ultimate

Aber erstmal von vorne: Wer so ein digitales Sportsammelbild aus der NBA kaufen möchte, muss auf die Plattform NBA Top Shots gehen und sich dort – genauso wie früher – einen Sammelpack kaufen, von dem man nicht genau weiß, was drinsteckt. Wer in seinen Sammelpack Bilder erwischt, die er schon hat, kann diese dann auf dem Marketplace tauschen, verkaufen oder kaufen. Jedes digitale Sammelbild wird als "Moment" bezeichnet und ist nur in limitierter Auflage zu haben.

"Du kaufst diese 'Moments' erstmal genau wie analoge Bildchen in einem Sammelpack, bei dem du nicht genau weißt, was drinsteckt."
Micheal Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dabei gibt es unterschiedliche "Moments": Gewöhnliche Momente aus der NBA-Geschichte werden als "Common" bezeichnet. Diese gibt es in höherer Auflage zu erwerben. Deutlich weniger gibt es dann von den digitalen Sammelbildern aus den Kategorien "Rare" oder "Legendary". Und die besonderen Glückstreffer sind die Sammelbilder, die es im Extremfall sogar nur einmal gibt, die "Ultimate".

Die Anzahl und die Auswahl der digitalen Sammelbilder werden von NBA Top Shots selbst ausgewählt und bewusst künstlich verknappt. Denn gäbe es von allen Bilder unendlich viele, würden sie natürlich ihren Wert verlieren, erklärt Michael Gessat.

NFTs für alle

Non-fungible Tokens gibt es aber nicht nur für digitale Sammelbilder aus der NBA. Twitter-Chef Jack Dorsey hat beispielsweise seinen ersten Tweet per NFT verkauft und auch der Hamburger Bastler und Musiker Fynn Kliemann hat über dieses System hunderte von Jungles versteigert. Dass die NFTs so einen Boom erleben sieht Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat in großem Zusammenhang mit dem Hype um Kryptowährungen.

Denn die Idee der NFTs ist nicht ganz so neu. Die Firma, die hinter NBA Top Shots steht, Dapper Labs, hat nur ihren Hype von 2017, den "CryptoKitties" erfolgreich wieder auferstehen lassen. "Cryptokitties" ist ein Spiel, bei dem die verschiedensten virtuellen Katzen gekauft und gesammelt werden können. Das war damals aber nur eine Sache für richtige Nerds.

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Mit NBA Top Shots hat die Firma den ganzen Prozess des Kaufens, Sammelns und Verkaufens auch für Laien verständlich und einfach nutzbar gemacht, sagt Michael Gessat. Und sie haben sich dabei eine sehr begeisterungsfähige Zielgruppe ausgesucht: Sportfans.

"Nur war das damals eine Sache für Nerds; bei NBA Top Shot haben die jetzt den ganzen Prozess mit dem Kaufen, Sammeln und Wiederverkaufen auch für Laien handhabbar gemacht."
Micheal Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Hype oder Anlage mit Zukunft?

Ob es sich jetzt noch lohnt, einzusteigen und wann der richtige Punkt zum Wiederverkaufen ist, das ist nur schwer einzuschätzen, sagt Michael Gessat. Grundsätzlich steigt der Wert eines Sammel- oder Spekulationsobjektes solange an, wie Menschen glauben, dass er weiter steigt.

Den Hype um NFTs im Allgemeinen sieht Michael Gessat differenziert: Für Prominente, bekannte kreative Gesichter und für Institutionen und Marken mit Fans wie eben der NBA, kann der Boom eine richtige Geldmaschine sein. Bei den digitalen Sportsammelbildchen ist Micheal Gessat aber eher skeptisch. Denn wenn alle auf den Hype aufspringen, verliere er schnell seinen Reiz.

"Bei digitalen Sportsammelbildchen bin ich skeptisch. Nach der NBA kommt dann die FIFA, danach kommt der Volleyballverband und dann die Tontaubenschieß-Association – alle mit zigtausend digitalen Sammelbildchen oder 'Moments'."
Micheal Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter