"Re:coded" ist eine Programmierschule im Nordirak, die Geflüchteten das Coden im Schnelldurchlauf beibringt. Das ist eine Perspektive für die Schüler, aber auch eine kostengünstige Lösung für Unternehmen.

An der Re:coded Programmierschule lernen rund vierzig Geflüchtete zwischen 25 und 35 Jahren in sechs Monaten zu coden. Die Männer und Frauen an den Laptops sind Kriegsflüchtlinge. Sie kommen aus Aleppo, Damaskus oder Mossul. Manche von ihnen haben Vorkenntnisse, andere nicht. Die Vereinten Nationen, Microsoft und seit kurzem auch Google unterstützen die Schule finanziell. Bezahlte Arbeit als Programmierer lautet das Versprechen der aus Australien stammenden Gründerin Alexandra Clare. Jobs finden die Schüler nach dem Abschluss in lokalen, aber auch in Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Das ist eine Chance für viele der Schüler. Es ist aber auch eine kostengünstige Lösung für Unternehmen, denn der Lohn liegt weit unter dem globalen Marktwert.

Goory und Mitschüler in der Unterrichtspause
© DRadio Wissen | Christina zur Nedden und Ariana Dongus
Goory und Mitschüler in der Unterrichtspause

Goory will mit Informatik Probleme lösen

Eine Schülerin ist Goory Al Hamed, die zu denen gehört, die Programmierkenntisse besitzen. Als Informatikstudentin in Damaskus programmierte Goory ein Bezahlsystem für den Laden ihres Bruders. Als der Laden 2013 von einer Bombe zerstört wurde, verließ sie mit ihrer Familie das Land.

"Ich habe nichts außer meinem Laptop und einigen Klamotten mitgenommen."
Goory über ihre Flucht aus Damaaskus

Goory lebt heute im Qusthapa Camp. Zusammen mit ihrer sechsköpfigen Familie teilt sie sich ein Zimmer in einer Baracke. Die Familie ist stolz auf Goory. Denn sie hat bereits für ein Unternehmen mit Sitz in San Francisco sowie für eine australische Debugging-Firma gearbeitet. Ihr Stundenlohn lag dabei mit zehn US-Dollar deutlich unter dem eines Programmierers in Indien, der mit 70 US-Dollar vergütet wird. Für Goory und ihre Familie ist dieser vergleichweise niedrige Satz trotzdem viel Geld.

Perspektive trotz niedriger Löhne

Der Bedarf an Softwareentwicklern ist groß. Das weiß die Gründerin der Programmierschule und will expandieren. Und auch Unternehmen wie SAP bauen ihre Aktivitäten aus. Die Programmierjobs im neuen Niedriglohnsektor hält der Soziologe Martin Krzywdzinski trotz der Benachteiligung für eine Chance. Denn die gezahlten Löhne seien für Entwicklungs- und Schwellenländer vergleichsweise gute Einkommen. Sie geben Menschen wie Goory eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

"Für Länder wie den Irak, für Schwellen- und Entwicklungsländer sind das, trotz der Benachteiligung, schon gute Einkommen und eine Entwicklungsmöglichkeit."