Misstrauen, Kontrolle, Schein wahren - das sind die wichtigsten Charakterzüge Nordkoreas. Alles ist inszeniert, dient einem höheren System. Und jeder Mensch erfüllt eine Rolle. Ein neuer Film erweitert das Bild über die Diktatur.

Es ist bekanntlich schwierig nach Nordkorea zu reisen. Noch schwieriger ist es, wenn man als Journalist oder Filmemacher echte, ungestellte Szenen und Momente festhalten will. Der russische Regisseur Vitaly Mansky hat es zumindest ansatzweise geschafft. Er hat zwei Monate lang in Nordkorea seinen Film "Im Strahl der Sonne" gedreht - und ab und zu die Kamera laufen lassen, wenn seine vielen Aufpasser es gerade einmal nicht mitbekommen haben.

Dass Nordkorea alles überwacht, was sich irgendwie überwachen lässt, hat auch DRadio-Wissen-Reporter Peter Kujath schon erfahren. Er war insgesamt drei Mal dort und hatte immer zwei Aufpasser an seiner Seite. Dass es zwei sind, ist wichtig, sagt er. Wenn es nur einer wäre, könnten sich Aufpasser und Journalist verbrüdern. Also passt jeder Begleiter nicht nur auf den Gast, sondern auch auf den jeweils anderen Aufpasser auf.

Regisseur Vitaly Mansky beschreibt im lesenswerten Interview mit Zeit Online, wie sehr in Nordkorea alles Fassade ist. Peter Kujath kennt das: Nicht mal mehr mit den Begleitpersonen kann man sich ehrlich unterhalten. So glaubt man in Nordkorea, dass der ehemalige Diktator den Leuchtstreifen auf Theaterbühnen erfunden hat, damit die Schauspieler im Dunkeln das Ende der Bühne erkennen. Hinweise darauf, dass es diese Art der Bühnenbegrenzung in vielen Theatern weltweit schon seit langer Zeit gibt, werden glaubhaft verneint - das könne nicht sein.

"Es war eine sehr intensive Situation. Ich war bereit die Speicherkarte zu verschlucken, um diese Szene aus dem Land zu bringen."

Peter Kujath sagt, im Land könne niemand offen reden. Das einzige, was geht: Privates. Wie geht es der Familie, wie viele Kinder haben sie? Alles andere folgt einer Linie. "Die Gehirnwäsche über sechs Jahrzehnte hat ein Stück weit funktioniert."