Unterwasserarchäologen haben das Wrack der legendären HMS Terror gefilmt. Das Schiff war im Mai 1845 zu einer Expedition aufgebrochen. 2016 wurde das Wrack entdeckt. Wissenschaftler hoffen jetzt, durch die Filmaufnahmen neue Erkenntnisse über den Untergang des Schiffs zu gewinnen. Anne Preger aus den Wissensnachrichten weiß, warum das Wrack so legendär ist.

Die HMS Terror war ein britisches Marineschiff, es war zusammen mit einem anderen Schiff (HMS Erebus) Mitte des 19. Jahrhunderts unterwegs, um einen Seeweg von Europa über den Atlantik zum Pazifik und dann weiter nach Asien zu finden. Die Idee war es, einmal nördlich um Amerika herumzusegeln. Das Oberkommando der Expedition hatte der Polarforscher John Franklin. Die Schiffe waren für die damalige Zeit mit sehr moderner Ausrüstung ausgestattet – wenn auch nicht besonders arktistauglich. Für die britische Marine war diese Reise ein sehr großes und wichtiges Ereignis.

"Das Ganze war für die britische Marine eine große Nummer."
Anne Preger, Deutschlandfunk Nova

Aber: Die Schiffe erreichten nie ihr Ziel. Viele Suchexpeditionen – auch noch im 19. Jahrhundert – haben versucht, die Schiffe und ihre Mannschaften zu finden. Man hat dann nach und nach auch Gräber, Ausrüstungsgegenstände und handgeschriebene Botschaften in der Arktis gefunden. Außerdem gab es Berichte von Ureinwohnern, von den Inuit.

Expeditionsschiffe: Über ein Jahr im Packeis festgesteckt

Aus den Gesprächen mit den Inuit und anhand der gefundenen Leichen und Gegenstände schlossen Wissenschaftler, dass beide Schiffe über mehr als ein Jahr im Packeis festgesteckten. Ein Teil der Mannschaft ist in dieser Zeit schon gestorben, darunter auch John Franklin. Aus den Funden und Berichten schließen Wissenschaftler heute, dass die restliche Crew versucht hat, mit Beibooten als improvisierte Schlitten über Eis und Land zu einem bewohnten Fleck zu kommen. Vermutlich sind bei diesem Versuch alle Männer ums Leben gekommen. Am Ende soll es sogar zu Kannibalismus gekommen sein. Das haben Inuit berichtet und später konnten Forschende auch Spuren von Metallklingen an den Knochen von gefundenen Leichenteilen feststellen.

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Erst im Jahr 2014 und 2016 wurden schließlich die Schiffswracks im Norden vor der kanadischen Küste entdeckt. Zuerst die HMS Erebus und später dann auch die HMS Terror. Die Wracks sind in einem relativ guten Zustand und könnten den Wissenschaftlern helfen, aufzuklären, wieso die Schiffe gesunken sind. Unterwasser-Archäologen haben die Wracks bei einem Tauchgang jetzt zum ersten Mal gefilmt. Die HMS Terror, liegt anscheinend aufrecht am Meeresboden ohne ausgeworfenen Anker. Daraus schließen die Archäologen, dass das Schiff unerwartet gesunken und schnell verlassen worden ist.

"Am Ende kam es auch zu Kannibalismus. Das haben Inuit berichtet und später haben das Spuren von Metallklingen an Knochen von Mannschaftsmitgliedern auch nahegelegt."
Anne Preger, Deutschlandfunk Nova

Kapitänskajüte soll beim nächsten Tauchgang geöffnet werden

In dem Video, dass die Taucher unter Deck gefilmt haben, können wir Betten, Tische, Regale mit Porzellan, Glasflaschen und Messgeräte erkennen. Die Einrichtung des Schiffs wirkt gut erhalten. Nur einen entscheidenden Teil unter Deck konnten die Forschenden bisher nicht untersuchen: Das Schlafquartier des Kapitäns Francis Crozier, weil die Tür verschlossen war.

Im kommenden Sommer will das Forschungsteam noch einmal auf Tauchgang gehen und die Kajüte öffnen. In der Kabine steht der Schreibtisch des Kapitäns und seine Schränke. Die Wissenschaftler hoffen, dort das Logbuch des Kapitäns zu finden. Es könnte dabei helfen, herauszufinden, warum die Schiffe überhaupt gesunken sind.