Die Notaufnahmen sind häufig überfüllt, besonders am Wochenende. Ein 2-Minuten-Check soll sie entlasten und klären, ob die Patienten mit ihren Wehwehchen überhaupt richtig sind.

Seit April sollen die Notfallmediziner möglichst kurz klären, ob Patienten überhaupt in der Notaufnahme richtig sind. Dafür haben sie gerade einmal zwei Minuten Zeit. Notfallmediziner Johannes Wimmer erklärt, warum er das für gefährlich hält.

Notaufnahmen sollen tagsüber leerer werden

Wenn Patienten in die Notaufnahme kommen, müssen die Mediziner Triagieren, das bedeutet nach Dinglichkeit vorsortieren: "Die Frage ist dann: geht es den Menschen sehr schlecht, ein bisschen schlecht oder gar nicht schlecht“, erklärt Johannes Wimmer. Das legt die Reihenfolge fest, in der die Patienten behandelt werden.

"Es ist unsinnig, denn es ist nicht meine Aufgabe zu entscheiden, wer in die Notaufnahme kommt und wer nicht."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner

In den jetzt festgelegten zwei Minuten sollen die Ärzte entscheiden, ob Patienten nach Hause geschickt werden oder nicht. Dabei müssen sie eine komplette Diagnose mitdenken, erklärt Johannes Wimmer: "Das ist eigentlich nicht möglich."

Wenn die Leute in der Notaufnahme sind, ist es seine Pflicht sie zu behandeln, findet der Notfallmediziner. Es ist birgt ein Risiko, Leute nach hause zu schicken. "Selbst wenn ich zehn Minuten hätte, ist es schwachsinnig."

"Manchmal kommen Menschen mit ganz harmlosen Symptomen und plötzlich geht es denen im Warteraum ganz, ganz schlecht. Es kommt vor, dass sie wiederbelebt werden müssen oder es kommt sogar zu Todesfällen."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner

An der Rezeption oder der Anmeldung fällt den Kollegen aber doch schon mal auf, dass Patienten nach sechs Wochen mit Überweisung für den Orthopäden oder anderen Ärzten ankommen. "Solche Fälle schicken die auch gerne mal weg", weiß Johannes Wimmer.

Der Patient, der in die Notaufnahme kommt, obwohl es unsinnig ist, weiß das häufig gar nicht. Wer abgewiesen wird, geht dann in eine andere Notaufnahme, zumindest in Hamburg, vermutet Johannes Wimmer. "Viele Selbstständige haben außerdem gar keine Zeit, tagsüber zum Arzt zu gehen." 

"Du brauchst ein System, das den Leuten nachts eine Notfallpraxis anbietet. Es würde helfen, wenn nicht alle Ärzte um 17 Uhr zu machen - oder sogar um 15 Uhr. Das sind ja völlig irre Öffnungszeiten."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner