An sich ist es eine gute Sache, wenn die EU uns als Verbraucher schützen will. Doch die Verordnung für Novel Food hält uns nicht nur Klonfleisch vom Leib, sondern auch exotische Pflanzen wie Stevia.

Novel Food sind neuartige Lebensmittel. Das können exotische Früchte und Pflanzen sein wie Stevia und die Noni-Frucht, aber auch Designer Food, Elektrolyt-Getränke oder Nahrungsmittelzusätze, die vor 1997 nur in geringem Umfang oder gar nicht im Handel waren.

Freiheit auf Nahrung gegen Verbraucherschutz

Kritiker fordern, dass die Freiheit auf Nahrung nicht eingeschränkt werden dürfe. Die Überarbeitung der Novel-Food-Verordnung führe dazu, dass Früchte, Nüsse, Pilze oder Gewürze aus anderen Kontinenten nicht mehr eingeführt werden könnten, da die Prüfverfahren zu teuer seien und sie deshalb nicht mehr zugelassen werden könnten.

Sicherheitsprüfung für neue Lebensmittel

DRadio-Wissen-Umweltredakteur Georg Ehring erklärt, dass die Novel-Food-Verordnung vor allem regelt, dass neue Produkte, Stoffe, die mit neuartigen Verfahren zu neuen Produkten verarbeitet werden, einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden müssen.

"Damit wir nur Lebensmittel kaufen können, die auch sicher sind."
Georg Ehring, DRadio-Wissen-Umweltredakteur

Die Stevia-Pflanze komme beispielsweise aus Südamerika. Die Auszüge aus der Pflanze seien für den europäischen Markt geprüft, und als sicher zugelassen worden, sagt Georg Ehring. Die Pflanze selbst ist jedoch nicht zugelassen. Die Überarbeitung sei jetzt notwendig geworden, sagt Georg Ehring, weil es in der Lebensmitteltechnik neue Entwicklungen gegeben hat.

Neu soll Klonfleisch, das auch als Novel Food gilt, geregelt werden. Fleisch von geklonten Tieren ist in der EU verboten. Doch für das Fleisch der Nachkommen gibt es noch keine Regelungen.

"Es gibt ernsthafte Bedenken gegen das Klonen, auch aus Tierschutzsicht. Die meisten Klone sterben oder sind missgebildet."
Georg Ehring, DRadio-Wissen-Umweltredakteur

Nur wenige Klone eignen sich für die Fleischproduktion. Die Herstellung sei deshalb auch viel zu teuer, erklärt Georg Ehring. Ob aber das Klonfleisch mit der Novel-Food-Verordnung geregelt wird oder eine eigene Verordnung erhält, sei noch offen.

"Bei Nano-Lebensmittel weiß man noch sehr wenig über Gesundheitsrisiken."
Georg Ehring, DRadio-Wissen-Umweltredakteur

Nano-Lebensmittel bestehen aus Nano-Stoffen. Das sind sehr kleine Moleküle. Allerdings haben Stoffe im Nano-Bereich oft andere Eigenschaften, die teilweise sogar erwünscht sind. Beispielsweise würde Titandioxid für Schokoladenüberzüge verwendet, sodass die Schokolade nicht schmilzt, wenn man sie in der Hand hält. Schwierig sei die Definition dessen, was Nano ist und was nicht, sagt Georg Ehring.

Regelung seit 1997

Die Novel-Food-Verordnung der EU ist seit 1997 in Kraft und sollte vor allem die Zulassung gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln seit 2003 regeln. Für diese Lebensmittelgruppe wurde eine eigene Verordnung erlassen. Jetzt werden von der Novel-Food-Verordnung vor allem Lebensmittel erfasst, die vor 1997 in der EU nur in geringem Maße verkauft wurden. Seit 2013 gibt es Vorschläge zur Novellierung der Verordnung.

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