Sojamilch ist eine Alternative zu Kuhmilch. Leider hat Soja einen Schönheitsfehler: Es kommt aus Südamerika und dort wird Regenwald für den Sojaanbau zerstört. Wie schön wäre es, wenn Soja in Deutschland wachsen würde. Genau das versucht jetzt ein Crowd-Projekt.

Der Tofuhersteller Life Food/Taifun und die Universität Hohenheim haben sich ein besonderes Experiment ausgedacht: Damit möglichst viele neue Sojakreuzungen ausprobiert werden können, setzen sie auf die Gärtner-Crowd. 1000 Gärten heißt das Sojaprojekt. Christine O’Hara macht in ihrem Schrebergarten mit.

"Es ist auch ungewöhnlich, wie Soja riecht, wenn der Regen hier draufkommt. Dann riecht es ganz anders, das ist ungewöhnlich ."
Christine O’Hara

Seit April beschäftigt sich Hobbygärtnerin Christine O’Hara intensiv mit Soja. Für das 1000-Gärten-Soja-Experiment. Zwölf verschiedene Sorten hat sie in ihrem Schrebergarten gepflanzt. So machen es alle 2400 Teilnehmer des deutschlandweiten Sojaprojekts. Christine O’Hara hat aus dem Internet von dem Projekt erfahren und macht mit, weil sie will, dass in Deutschland mehr Soja angepflanzt wird.

"Sojaanbau in Deutschland ist aktiver Klimaschutz."
Martin Miersch von der Firma Life Food

Genau das wünscht sich auch Martin Miersch von der Firma Life Food. Von Freiburg aus koordiniert er das 1000-Gärten-Experiment. Seine Firma stellt Tofu her. Sein Ziel: Tofu aus deutschem Bio-Soja. Das Problem: Um auf dem Teller, statt im Trog zu landen, braucht Sofa ganz besondere Eigenschaften, erklärt Martin Miersch. Es geht um Geschmack, ein tolles Mundgefühl - und der Sojatyp muss mit dem deutschen Klima klar kommen. Martin Miersch nennt das Kühletoleranz.

"Kühletoleranz beginnt damit, dass die Sojabohne es recht warm mag. Also möglichst viele Tage mit möglichst hohen Temperaturen. Das ist In Deutschland nicht immer der Fall. Also suchen wir Kreuzungen, die mit weniger Wärme auskommen."
Martin Miersch

Weil er im Alleingang aber nur einige neugezüchtete Sorten testen kann, musste sich Martin Miesch etwas ausdenken: ein Gemeinschaftsexperiment. Dabei setzt er auf die Gärtner-Crowd in Deutschland. Aus 1000 Kreuzungen sucht das Soja-Experiment die passende. Teilnehmer wie Christine O‘Hara bauen zwölf Sorten Soja bei sich im Garten an und notieren allerlei Daten über die Pflanzen. Wie hoch sie wachsen, wie viele Hülsen daran hängen und welche Farbe die Blätter haben. Christine zeigt ein kleines Farbschema, an dem sie sich orientiert. Darauf sind sechs Farbtöne zu sehen, die von Gelb über Gelbgrün bis Dunkelgrün reichen.

Große Pflanzen - ohne Dünger

Richtig gelb sind die Blätter bei Christines Sojapflanzen noch nicht, eher grün mit Stich ins Gelbe. Aber sie hat auch spät gesät. Neben Hobbygärtnern machen auch Landwirte beim Sojaprojekt mit. Zum Beispiel Hermann-Josef Frimmersdorf, an dessen Pflanzen viel mehr Hülsen als bei Christine O’Hara hängen. Bestimmt 50 Stück pro Pflanze. Und die Blätter sind eindeutig gelb. Unter der Last der vielen Bohnen sinken die Pflanzen allmählich zu Boden. Frimmersdorf staunt über die Größe der Pflanzen - und das ganz ohne Dünger.

Es sagt aber auch: Richtig aussagekräftig seien die Experimente nicht, dazu sei die Anbaufläche zu klein. Mitte September kann wohl geerntet werden. Und um die getesteten Sojasorten auf ihre Tofuqualitäten hin zu prüfen, werden die vielen Gärtner einen Teil der Ernte zur Life Food nach Freiburg schicken, die das Ganze dann zu Mini-Tofu verarbeiten.