Görlitz in Sachsen hat einen neuen Oberbürgermeister: Octavian Ursu. Eigentlich ist die Wahl für den Rest Deutschlands nicht so wichtig. Aber diesmal doch. In Görlitz hätte zum ersten Mal ein AfD-Politiker OB werden können. Das ist nicht passiert. Doch daraus lässt sich kein Trend für die sächsischen Landtagswahlen im September ablesen. Denn, dass Octavian Ursu OB wurde, dafür haben auch Grüne, SPD und Linke gesorgt, so Bastian Brandauer, unser Korrespondent in Sachsen.

Am Sonntag (17. Juni) haben die Bürgerinnen und Bürger in Görlitz einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Es war die zweite Wahlrunde: In der ersten hatte AfD-Kandidat Sebastian Wippel die meisten Stimmen erhalten.

Am Sonntag gewann der CDU-Politiker Octavian Ursu mit 55,2 zu 44,8 Prozent gegen Wippel. Ein Unterschied von 2600 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 56 Prozent.

CDU gewinnt mit Unterstützung der anderen Parteien

Dass Octavian Ursu die zweite Runde für sich entscheiden konnte, liegt mit daran, dass sich die anderen Parteien - mit Ausnahme der AfD - für ihn ausgesprochen hatten. Viele Wähler der Grünen, der Linken und der SPD stimmten für den CDU-Kandidaten, so Bastian Brandauer.

"Hier ist ein CDU-Politiker Oberbürgermeister geworden, eben nur dank der Stimmen der Grünen, der Linken und der SPD."
Bastian Brandauer, unser Korrespondent in Sachsen

In der ersten Runde hatte Octavian Ursu 30,3 Prozent geholt und lag damit auf Platz zwei hinter Sebastian Wippel mit 36,4 Prozent. Die Grünen-Politikerin Franziska Schubert hatte knapp 28 Prozent geholt. In der zweiten Runde sprach sie sich für Octavian Ursu aus. So wie es eben auch die Linke, die SPD und verschiedene Bürgerbündnisse taten. "Da sind viele über ihren Schatten gesprungen", sagt Bastian Brandauer.

Landtagswahlen: Je nach Umfrage liegt die CDU oder die AfD vorne

Doch bei den Landtagswahlen in Sachsen am 1. September werden wieder alle Parteien gegeneinander antreten. In Görlitz will die AfD das Direktmandat für den Landtag holen. Dort tritt auch Ministerpräsident Michael Kretschmer an. Er hatte bei Bundestagswahl 2017 seinen sächsischen Wahlkreis an einen Kandidaten der AfD verloren.

In den aktuellen Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen liegen CDU und AfD vorne. Egal, wer gewinnt, es fehlen die Koalitionspartner. Auch für die CDU wird es schwierig, sollte sie die Wahl für sich entscheiden, so Bastian Brandauer.

"Entscheidend ist, dass die CDU im Moment bei den Landtagswahlen keine wirklichen Koalitionsoptionen hat."
Bastian Brandauer, unser Korrespondent in Sachsen

Gemeinsam mit der SPD wird es wohl nicht reichen. Aktuelle Umfragen sehen die Partei bei um die 8 Prozent. CDU und AfD könnten je um die 24 Prozent holen. Bei den Grünen und der Linke werden es jeweils um die 15 Prozent. Die FDP könnte bei 6 Prozent landen.