Sie hoffen auf ein besseres Leben, finden aber keinen Job und landen irgendwann auf der Straße: So geht es vielen Zuwanderern aus Osteuropa in Deutschland. Und der Kampf ums Überleben schürt Konflikte.

In den Großstädten Berlin und Köln häufen sich die Beschwerden über Obdachlose aus Osteuropa. In Medienberichten heißt es, dass es immer öfter zu Streitigkeiten mit den Wohnungslosen kommt, aber auch untereinander haben die Obdachlosen offenbar häufiger Stress.

Zahlen, wie viele Obdachlose aus Ländern wie Bulgarien, Rumänien, Tschechien oder Lettland in Deutschland leben, gibt es nicht, sagt Thomas Münch von der Hochschule Düsseldorf. Was man aber wisse: In Deutschland arbeiteten etwa eine halbe Million Bulgaren und Rumänen, hinzu kämen rund 600.000 Menschen aus Lettland, Tschechien und Polen.

"Von denen fällt natürlich ein Teil durchs soziale Raster. Sie finden nicht den Job, von dem sie gedacht haben, dass sie ihn finden. Und sie landen, da die sozialen Sicherungssysteme für sie nichts hergeben, irgendwann auf der Straße."
Sozialwissenschaftler Thomas Münch

Auch wenn es also keine offiziellen Statistiken gibt, stellen Mitarbeiter in Wohnungshilfen oder Suppenküchen fest, dass der Andrang größer geworden ist, berichtet Thomas Münch, der zur südosteuropäischen Armutsmigration geforscht hat.

Auf der Suche nach einem besseren Leben

Die Behauptung, dass Deutschland für Menschen ohne Job und Wohnung auch deshalb attraktiv ist, weil sie vom Sammeln von Pfandflaschen leben können, hält der Sozialwissenschaftler für ziemlich merkwürdig. "Ich denke, die Menschen in Bulgarien, Rumänien oder Osteuropa glauben eher, dass hier das Geld vielleicht auf der Straße liegt, dass man leicht einen Job findet und dass man mit einem Job hier auch nach oben kommen kann." 

"Sie kommen hierhin, weil sie glauben, sie haben es hier besser."
Thomas Münch über die Motive von osteuropäischen Zuwanderern

Ohne die richtige Jobqualifizierung landen aber viele von ihnen auf der Straße, sagt Thomas Münch. Außerdem bekämen viele oft nur Billig-Jobs, mit denen sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten könnten.

Das richtige Personal nötig

Die wachsende Zahl an Wohnungslosen sorgt für Konflikte. Manche Wohnungseinrichtungen wie zum Beispiel in Köln schließen deshalb ihre Türen für Obdachlose aus Osteuropa. Um Auseinandersetzungen mit oder unter den Wohnungslosen entgegenzuwirken, brauche es vor allem das richtige Personal, sagt Thomas Münch.

"Es ist eine Frage der Sprach- und Kulturkompetenz. Wenn Sie in diesen Einrichtungen Mitarbeiter haben, die Bulgarisch, Rumänisch, Tschechisch, Polnisch sprechen, werden die Konflikte sofort um ein ganz großes Maß reduziert."
Thomas Münch