Eine einfach Idee - großer Effekt: Kamile Kantarci sammelt Spenden, packt Lebensnotwendiges in Rucksäcke und verteilt sie an Hamburger Obdachlose.

Kamile Kantarci handelt. Inspiriert durch ein Youtube-Video hat die Krankenschwester einfach eingepackt - und zwar lebenswichtige Alltagsdinge wie warme Unterwäsche, Hygieneartikel und dicke Socken in einen Rucksack. Mit diesem Rucksack zieht sie los und überreicht ihn einem Hamburger Obdachlosen. Und ihre Idee zieht!

"Rucksäcke erschienen mir sehr sinnvoll, weil wer auf der Straße lebt, hat einen kleinen Hausrat, den er von Ort zu Ort mitnehmen muss - und was eignet sich besser als ein Rucksack?"
Kamile Kantarci, Ein Rucksack voller Hoffnung

Unterstützung bekommt Kamile von Freunden, ihrer Familie und einer immer größer werdenden Zahl an Unterstützern. Finanziell unterstützt wird sie von der Hilfsinitiative des FC St. Pauli - den Kiezhelden. Im September hat Kamile erstmals Sachspenden vor dem Millerntor eingesammelt. Inzwischen kann Kamile die Spenden nicht mehr allein bewältigen, auch Firmen beteiligen sich an den Spenden für ihr Projekt "Ein Rucksack voller Hoffnung".

Dicke Socken und frische Unterhosen

Was sinnvoll ist zu spenden, hat Kamile genau auf ihrer Seite aufgelistet. Sie hat Aktive bei Hilfsverbänden gefragt, was Menschen brauchen, die auf der Straße leben. "Frische Wäsche ist tatsächlich rar", erklärt Kamile.

"Ich glaube, das kann sich niemand, der noch nie auf der Straße gelebt hat, vorstellen, was wichtig sein könnte."
Kamile Kantarci, Ein Rucksack voller Hoffnung

Als sie ihren ersten Rucksack zwei Obdachlosen dann überreichen konnte, staunten die nicht schlecht und konnten gar nicht glauben, was ihnen widerfahren war.

Keine offizielle Obadachlosenstatistik

Kamile schreibt auf ihrer Projektseite, dass in Hamburg 2009 im Rahmen einer Studie 1029 Obdachlose gezählt wurden. Hinzu kämen nach Schätzungen noch 3000 Menschen, die in Notunterkünften untergebracht seien.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) schätzt, dass die Zahl von rund 22.000 Obdachlosen im Jahr 2012 bis 2016 auf 380.000 Menschen ansteigen wird. Weil es keine bundesweite Wohnungslosenstatistik in Deutschland gibt, kann die BAG W nur schätzen. Den Anstieg um 33 Prozent bis zum kommenden Jahr begründet die BAG W mit fünf Faktoren: Anziehen der Mietpreise bei gleichzeitiger Zunahme der Verarmung, unzureichendes Angebot an preiswertem Wohnraum, Verarmung der unteren Einkommensgruppen, sozialpolitische Fehlentscheidungen bei Hartz IV und der unzureichende Fachstellenausbau zur Verhinderung von Wohnungsverlusten.

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