Im direkten Vergleich von Armin Laschet und Markus Söder geht der Punkt in einer Kategorie eindeutig an Söder, findet ein Kommunikationsexperte: Rhetorik. Während Laschet immer weiter redet, lässt Söder auch mal wirken.

Fahrig oder fast schon hysterisch möchte man als Politiker wohl nicht wirken. Mit vielen seiner Talkshow Auftritten hat Armin Laschet sich in dieser Hinsicht keinen Gefallen getan, findet der Berliner Kommunikationsberater Hendrik Wieduwilt.

Er hat die Auftritte von Armin Laschet (Kanzlerkandidat der CDU) und Markus Söder (Bayerischer Ministerpräsident) bei einer Pressekonferenz analysiert.

"Wenn Laschet sich mehr kontrolliert hätte und weniger flatterhaft und fast schon hysterisch wäre, hätte er dort ein ruhigeres Bild vermittelt."
Hendrik Wieduwilt, Kommunikationsberater

Im Gegensatz zum Kanzlerkandidaten der CDU geht Markus Söder am Satzende auch mal mit der Stimme runter und kommt auf den Punkt. Er wiederholt und macht Sprechpausen. Er wirkt kontrolliert und souverän.

Der Kommunikationsberater hält Markus Söder rhetorisch für weit überlegen und kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass Armin Laschet ein Kanzler-Coaching benötigt, und zwar von Markus Söder. Denn Armin Laschet tut sich oft durch einen Redefluss hervor, bei dem er Argument an Argument reihe, die Stimme dabei oben lasse, um dafür zu sorgen, dass er nicht unterbrochen werde.

"Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder redet deutlich anders. Er senkt immer wieder die Stimme, macht Pausen, lässt wirken. Laschet redet schneller und bleibt mit der Stimme sehr oft oben."
Nico Rau, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wer stimmlich überzeugt, demonstriert Führungsqualitäten. Positive Beispiele sind Barack Obama, der Regierungssprecher Steffen Seibert, Tagesschausprecher Jan Hofer und -sprecherin Dagmar Berghoff, die auf den Punkt kommen, wie Hendrik Wieduwilt sagt. Sie zeigen, dass sie die Situation im Griff haben.

Unser Eindruck von öffentlichen Reden einer Person sei auch entscheidend dafür, wie wir deren Faux-pas oder Fehltritte einordnen, sagt der Kommunikationsberater. Beispielsweise die Fotos von Armin Laschet bei einem öffentlichen Auftritt nach der Flutkatastrophe, die den Kanzlerkandidaten lachend im Hintergrund zeigen.

Merkel hatte ein Coaching, Schröder nicht

Auch Angela Merkel hatte sich 2005 - vor dem Fernsehduell mit dem amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder - beraten lassen. Ihr Coach Alexander Niemetz, ein ehemaliger Fernseh-Moderator, hat sie in Sprechtraining und Auftreten vor der Kamera geschult. Ihr Konkurrent Gerhard Schröder hielt das hingegen wohl nicht für nötig.

Katja Wolter von der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching (DGSv), die regelmäßig Mitglieder des Bundestages coacht, führt Gerhard Schröders Entscheidung gegen ein Training darauf zurück, dass Menschen, die sich als stark empfinden, nicht zu einem Coaching gehen würden. In ihren Workshops trifft sie auch eher auf Männer, die modern eingestellt seien und bereit wären zu reflektieren.