Seit dem gescheiterten Militärputsch 2016 sind in der Türkei mehr als 5000 Akademiker und Akademikerinnen vom Dienst suspendiert worden. Viele von ihnen leben im Exil. Einige von ihnen haben in Berlin eine Online-Universität gegründet. 

Tuba İnal Çekiç hat die Friedenspetition unterschrieben. Sie fordert, dass der Krieg in den kurdischen Regionen der Türkei beendet wird. Mehrere Hundert der Unterzeichner sind jetzt im Exil – viele von ihnen in Deutschland. Seit diesem Oktober gibt es für sie die Off-University von der "Organisation für den Frieden".

"Viele Akademiker, haben auch ihre Studenten verloren und den Studenten fehlen die Lehrer. Auf diese Weise wird ihnen eine kritisch-wissenschaftliche Bildung verweigert. Doch heutzutage überwindet eine Technologie wie das Internet Grenzen."

In Istanbul hat Tuba İnal Çekiç als Stadtplanerin an der Technischen Universität Yıldız unterrichtet. Nach dem Putschversuch wurde sie gekündigt - wie viele andere Akademiker. An der Off-University können sie nun wieder arbeiten. Die Dozenten im Exil zeichnen ihre Vorträge auf und veröffentlichen sie dann auf der Seite der Off-University. Dort sind sie kostenlos und ohne Anmeldung abrufbar. 

Bald sollen auch mehrwöchige Bildungsprogramme angeboten werden. Das Ganze richtet sich in erste Linie an Studierende in der Türkei. Aber kennen sie das Angebot überhaupt? 

"Die Themen, die an der Off–University zur Sprache kommen, können in einer türkischen Uni nicht mehr behandelt werden. Eine neue Perspektive, und eine alternative Bildung anzubieten scheint mir gerade jetzt wichtig."
Batur Talu, Medienberater

Der Medienberater Batur Talu sagt aber auch: Es seien bislang sehr wenige Personen, die von der Off-Akademie überhaupt gehört haben. Er selbst wirbt auf Facebook für das Projekt. Oder spricht Studierende wie Oylum Bülbül direkt an. Sie arbeitet an einer Istanbuler Universität als Projektassistentin. Die Off-University macht ihr Mut. Aber sie fühlt sich auch einsam - viel lieber würde sie solche Seminare zusammen mit anderen verfolgen und diskutieren. Aber im Netz sind bisher nur wenige, weil viele in der Türkei Angst haben, über Themen wie Frieden zu sprechen.

"Ich bin pessimistisch, wenn ich darüber nachdenke, wie viele kluge und kritische Köpfe aus den Hochschulen verdrängt worden sind. Einige waren ja auch publizistisch tätig. Ich habe ihre Artikel gerne gelesen. Jetzt können sie auch nirgendwo mehr schreiben."
Oylum Bülbül, Projektassistentin an einer Istanbuler Universität

Dass die Menschen in der Türkei Angst haben, weiß natürlich auch Tuba İnal Çekiç, die Gründerin der Off University aus Berlin. Deshalb können Menschen wie Oylum Bülbül demnächst auch anonym an Diskussionen teilnehmen. Aber ihr Hauptziel ist es, eine anerkannte Online-Universität zu werden, bei der die Studenten auch Abschlüsse machen können.