Mieten, Nebenkosten und auch Lebensmittelpreise werden steigen. Das Einkommen mancher Menschen reicht dafür nicht mehr aus. Ihre Sorge vor einer drohenden Wohnungslosigkeit ist groß.

Sozialverbände wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG Wohnungslosenhilfe) rechnen damit, dass die Zahl der wohnungslosen Menschen in den kommenden Monaten steigen könnte. Grund sind die zunehmend höheren Kosten für Energie, Lebensmittel, Wohnen und Transport.

Das bedeutet: Menschen sorgen sich, ihre Wohnung aufgeben zu müssen, weil ihr Einkommen für diese hohen Kosten nicht mehr ausreicht. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die aktuelle Befürchtung vieler am Tag der Wohnungslosigkeit am 11. September geteilt und zu gemeinsamen Anstrengungen aufgerufen, um das zu verhindern.

Wohnungslos bedeutet, die Menschen haben keinen festen Wohnsitz, sondern kommen in Notunterkünften, im Frauenhaus oder in ähnlichen Einrichtungen unter. Manche von ihnen werden auch zeitweise von Familie und Freund*innen aufgenommen. Obdachlos ist eine Person in der Regel dann, wenn sie tatsächlich auf der Straße übernachtet.

Keine offiziellen Zahlen, aber Schätzungen

Offizielle Statistiken darüber, wie viele Menschen in Deutschland keinen festen Wohnsitz haben oder auf der Straße leben, gibt es nicht. Die Zahlen, die es gibt, beruhen auf Schätzungen, die teilweise unterschiedlich ermittelt werden. Die BAG Wohnungslosenhilfe zum Beispiel hat die Zahl aller obdach- und wohnungslosen Menschen in Deutschland 2020 auf etwa 417.000 Menschen geschätzt.

Wenn Wohnen zu teuer wird

Die Corona-Pandemie habe die Wohnungslosigkeit laut BAG Wohnungslosenhilfe nicht so stark verschärft. Aktuell könnten die hohen Kosten für Lebensmittel und Energie zur Folge haben, dass die Zahl der Wohnungslosen steigt.

Bis 2030 keine Wohnungslosigkeit mehr

Die Bundesregierung hatte sich vor einem Jahr in ihrem Koalitionsvertrag noch das Ziel gesetzt, dass Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 beseitigt ist. Werena Rosenke von der BAG Wohnungslosenhilfe hält dieses Ziel auch für möglich – wenn dafür massiv etwas getan wird. Neben akuten Entlastungsmaßnahmen für einkommensschwache Haushalte brauche es auch langfristige Strategien, wie ausreichend bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen.

"Wir denken, Wohnungslosigkeit ist überwindbar, aber natürlich muss man dann tatsächlich auch viele Maßnahmen gleichzeitig ergreifen. Es geht auch nicht ohne massive finanzielle Ausstattung."
Werena Rosenke, Geschäftsführerin Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe

Wohnungen für Wohnungslose reservieren

Die Bundesregierung hat angekündigt, bis 2030 jedes Jahr 100.000 Sozialwohnungen zu bauen. Das wird den tatsächlichen Bedarf laut der BAG Wohnungslosenhilfe aber nicht decken können. Notwendig seien vor allem mehr Wohnungen, die explizit für wohnungslose Menschen reserviert sind. Auf dem freien Wohnungsmarkt haben sie oft keine Chance.

Verhinderung von Wohnungsverlust

Die BAG Wohnungslosenhilfe fordert zudem mehr Präventionsarbeit: In jeder Kommune soll es dafür eine zentrale Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungsverlusten geben. An diese Fachstelle können sich Menschen wenden, wenn sie beispielsweise Mietschulden haben und sich dort beraten lassen.

"Nicht alle Mietschulden müssen zwangsläufig zu neuer Wohnungslosigkeit führen. Für Kommunen gibt es die Möglichkeit, Mietschulden zu übernehmen, um Wohnraum zu erhalten. Das muss aber vernünftig organisiert werden", sagt Werena Rosenke.