Noch bis zum 4. Oktober dauert in diesem Jahr das Münchener Oktoberfest. Seine Tradition reicht bis ins Jahr 1810 und nennt sich mundartlich nur kurz Wiesn. Das ist viel mehr als ein Volksfest. Es geht schließlich um: Bier!

Historisch geht die größte Volksgaudi der Welt angeblich auf die Hochzeit zwischen dem bayrischen Kronprinzen Ludwig und Prinzessin Therese zurück. Am 17. Oktober 1810 gab es ein Pferderennen, um dem frisch vermählten Paar die Ehre zu erweisen. Zur Freude und zum Genuss der Gäste gab es Bier - und man glaubt es heute kaum - sogar Wein. Dreh- und Angelpunkt auf dem Fest bleibt aber die Maß. Und die wiederum enthält ausschließlich nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrautes Bier.

Bier mit Fliegenpilzen und Rußpartikeln

Das war nicht immer so. 1516 trat in Bayern eine Landesordnung in Kraft, die bis heute als ältestes, geltendes Lebensmittelrecht der Welt gilt. Im Grundsatz hat es überlebt, auch wenn es über die Jahrhunderte modifiziert worden ist. An den Bestandteilen des Bieres wie Hopfen, Malz und Wasser hat sich nichts verändert - nur die Hefe war vor 500 Jahren noch nicht erwähnt worden. Damals sollte die neue Ordnung die Bürger vor gesundheitlichen Gefahren schützen, denn den Überlieferungen nach mischten die Brauereien dem Produkt häufig giftige Substanzen bei. Zu lesen ist von Fliegenpilzen und Rußpartikel.

Als dann aber behördlicherseits endlich für Ruhe gesorgt war und die technische Entwicklung weiter voran schritt, sah man die Biertrinker überall auf den Straßen.

"Biertrinken war bis ins frühe 20. Jahrhundert, als das Flaschenbier sich zunehmend verbreitete, vor allem eine öffentliche Praktik für Männer und auch Frauen."
Gabriele Wolf, Institut für Volkskunde, München

Gabriele Wolf analysiert aus volkskundlicher Perspektive den Stellenwert des Bieres für Bayern. Ihr Vortrag trägt den Titel "Helles und Dunkles. Bier und symbolische Repräsentationen". Wolf ist Geschäftsführerin des Instituts für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte. Gehalten hat sie ihn am 26. Februar 2015 auf einem wissenschaftlichen Kolloquium der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.

Der verstorbene Ruhrpott-Kabarettist Jürgen von Manger taucht in unserem Beitrag über die einzig wahre Bierstadt auf: Dortmund. Natürlich nahm er bei seinen Auftritten das alkoholische Getränk stets von ganz anderer Seite auf die Schippe.