Menschenrechtsverletzungen, Drohungen gegen Kritiker*innen und die Unterdrückung der Demokratiebewegung im Land. Das sind einige der Gründe, weshalb mehrere Staaten angekündigt haben, die olympischen Spiele in Peking zu boykottieren. Benjamin Eyssel ist ARD-Korrespondent im Land und erklärt, wie das vor Ort ankommt und wie China sich auf den Wettkampf vorbereitet.

Die USA, Kanada, Australien und Großbritannien: All diese Staaten hatten in den vergangenen Tagen angekündigt, im Februar 2022 keine Regierungsvertreter*innen zu den Olympischen Spielen nach Peking zu schicken. Als Gründe führen sie unter anderem Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibeter*innen, die Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong oder Drohungen gegen Taiwan an.

"Dieser Boykott ist total symbolisch. Denn es ist extrem unrealistisch, dass viele Politiker*innen aufgrund der strengen Pandemie-Maßnahmen nach China kommen."
ARD-Korrespondent Benjamin Eyssel über den Boykott

Benjamin Eyssel ist ARD-Korrespondent in China und hält den Boykott der Länder für reine Symbolpolitik. Denn das Land fahre eine strikte Null-Covid-Politik und habe deshalb sehr strenge Corona- und Quarantänemaßnahmen. Er schätzt, dass sich dem ohnehin die wenigsten Politiker*innen aussetzen würden.

Boykott als "Entwertung des olympischen Geistes"

Der Journalist berichtet, dass viele Chines*innen trotzdem empört seien. "Die sagen: 'Ihr nutzt die Olympischen Spiele als diplomatisches Spielfeld. Damit entwertet ihr den olympischen Geist'", sagt Benjamin Eyssel. Dieser Tenor herrsche auch in den staatlich kontrollierten Medien im Land vor, so der Korrespondent. Auf Weibo, der staatlich überwachten Version von Twitter, sei der Boykott hingegen kein Thema. Denn, so Benjamin Eyssel: "Das Thema ist dort einfach zensiert."

"Es war kompliziert, sich die fertigen Spielstätten anzuschauen. Man muss geimpft sein, braucht einen tagesaktuellen PCR-Test und wird mit dem Auto hingefahren."
ARD-Korrespondent Benjamin Eyssel über die Regeln bei der Besichtigung von Spielstätten

Neben Informationen sei auch der Zugang zu den Spielstätten staatlich eingeschränkt, so der Journalist. "Ich habe mir ein paar Sachen angeschaut. Das geht in China immer nur organisiert", erklärt er. Die Skisprungschanze sei beispielsweise bereits fertig. Doch Journalist*innen könnten nicht einfach hinfahren und sich die anschauen. Erschwerend hinzu kämen die strengen Corona-Regeln im Land.

Olympia wird in einer eigenen Blase stattfinden

"In den Sportanlagen wurden wir streng von den Sportlerinnen und Sportlern, die da trainieren, getrennt", sagt Benjamin Eyssel. "Es wurde darauf geachtet, dass wir Journalisten ihnen ja nicht begegnen. So wird das auch bei den Winterspielen laufen." Die, so der Korrespondent, werden an drei Wettkampforten jeweils komplett abgeschottet stattfinden.

"Niemand, der zu den Olympischen Spielen fliegt, egal ob Trainerinnen, Trainer, Sportlerinnen oder Sportler darf raus aus der Blase, aus Wettkampfstätten und olympischem Dorf", erklärt Benjamin Eyssel. "Das werden und sind schon auf jeden Fall umstrittene Spiele."