Die Omikron-Variante macht auch vor China und der dort strikt umgesetzten No-Covid-Politik nicht Halt. Doch schon in drei Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele. Die Vorbereitungen laufen heiß – die Sorgen vor dem Virus auch. Athletinnen und Athleten, Offizielle wie Journalisten arbeiten in einer geschlossenen Blase, Zuschauende aus dem Ausland sind verboten. Jede und jeder soll jeden Tag mit einem PCR-Test getestet werden.

Verglichen mit den Zahlen in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt sind die Infektionszahlen in China immer noch sehr niedrig, berichtet unser Korrespondent Benjamin Eyssel aus Peking.

Niedrige Infektionszahlen

Es gebe manchmal so 20, 30 Ausbrüche an einem Ort pro Tag, manchmal seien es hundert. Bei größeren Ausbrüchen müssen die Städte sofort in den Lockdown – bei mehreren Großstädten ist das der Fall, darunter Yuzhou mit rund einer Million und Anyang mit fünf Millionen Einwohnern. Seit drei Wochen dürfen außerdem die Menschen in der 13-Millionen-Metropole Xi’an ihre Häuser und Wohnungen nicht verlassen, berichtet Benjamin Eyssel.

Und auch in der nordostchinesischen Wirtschaftsmetropole Tianjin gelten zahlreiche Beschränkungen für die 14 Millionen Einwohner: Aus Angst davor, dass sich das Virus von dort aus weiterverbreitet, fahren fast kaum noch Busse und Züge aus der Stadt heraus. Auch fast alle Flugverbindungen wurden gestrichen.

"Die Staats- und Parteiführung ist sehr besorgt, macht aber immer noch einen auf ruhig und 'Wir kriegen das alles in den Griff'. Im Hintergrund sind die aber schon ziemlich am Rödeln, denke ich."
Benjamin Eyssel, ARD-Korrespondent im Studio Peking

Bei kleinsten Ausbrüchen reagiert das Reich der Mitte mit Massentests, Ausgangssperren und Reiseverboten. Doch es kommen immer neue Städte dazu, berichtet Benjamin Eyssel. Auch in Shanghai seien inzwischen Fälle aufgetreten – es sei aber immer noch nicht ganz klar, wie viele Omikron-Fälle darunter sind.

Die chinesische Staatsführung sei darum bemüht, Ruhe auszustrahlen. In Wahrheit sei sie aber bestimmt sehr besorgt, glaubt unser Korrespondent. "Die Vorbereitung auf die Spiele laufen ganz normal" sagen die Organisatoren. Im Hintergrund werde aber höchstwahrscheinlich alles dafür getan, um auf Eventualitäten vorbereitet zu sein und mögliche Löcher dicht zu machen.

Menschen aus der Olympia-Blase bitte nicht helfen

Kurios sei die Meldung, dass alle Chinesen und Chinesinnen, die nichts mit Olympia zu tun haben, doch bitte nicht anhalten sollen, um Autos zu helfen, in denen Menschen unterwegs sind, die zur Olympia-Blase gehören. All diesen Sportlerinnen und Sportlern, Journalistinnen und Funktionären stehen spezielle Krankenwagen und Rettungskräfte zur Verfügung.

"Es ist extrem schwierig. Man kann das gar nicht hermetisch abriegeln. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass Leute Omikron mitbringen."
Benjamin Eyssel, ARD-Korrespondent im Studio Peking

Olympia tatsächlich hermetisch abzuriegeln, sei praktisch unmöglich, so unser Korrespondent. Bis zu 10.000 Sportlerinnen, Trainer und Journalisten kommen für Olympia aus dem Ausland nach China.

Es gebe drei olympische Dörfer und die verschiedenen Wettkampfstätten, dazu die Hotels, die gar nicht innerhalb der olympischen Dörfer stehen, sondern ein paar Kilometer außerhalb. Die dort untergebrachten Journalist*innen müssten aber ja auch irgendwie von A nach B gebracht werden.

China will superschnell reagieren

Dass es während der Spiele zu Ausbrüchen kommen wird, darüber seien sich eigentlich alle einig, sagt Benjamin Eyssel. Das hat auch das Organisationskomitee gesagt. Der Plan: Superschnelles Reagieren. Jede und jeder soll jeden Tag mit einem PCR-Test getestet werden. Bei positiven Fällen sollen die Betroffenen dann in speziellen Einrichtungen und Krankenhäusern isoliert werden.

"Jede und jeder soll jeden Tag mit einem PCR-Test getestet werden."
Benjamin Eyssel, ARD-Korrespondent im Studio Peking

Doch was wird passieren, sollte es einen größeren Ausbruch geben? Bei einer Pressekonferenz vor ein paar Tagen hieß es dazu: "Wir behalten uns weitere Maßnahmen vor." Was das aber konkret heißt, sei nicht näher ausgeführt worden, berichtet unser Korrespondent.

Denkbar sei, dass ganze Olympische Dörfer vom Shutdown betroffen sind und dass die Spiele dann für ein paar Tage ausgesetzt – oder einzelne Wettbewerbe sogar ganz abgesagt werden.