Eine Goldmedaille hat die Freestylerin im Big Air bereits geholt und ist zu einem Megastar in China geworden: Die 18-jährige Eileen Gu scheint alles richtig gemacht zu haben. Nur aus den USA wird sie kritisiert, weil sie die Medaille nicht für ihr Geburtsland geholt hat.

Die US-Amerikanerin Eileen Gu oder auch Gu Ailing ist in San Francisco, Kalifornien, geboren. Sie spricht perfekt Chinesisch oder vielmehr Mandarin, das sie von ihrer chinesischen Mutter und ihrer Großmutter gelernt hat, die sie einmal im Jahr in Peking besucht hat.

Seit 2019 chinesischen Pass

Snowboarden hat Eileen Gu in den USA gelernt und dort auch für Wettkämpfe trainiert, sagt ARD-Korrespondent für die Olympischen Winterspiele Alexander Bleick. "Aber die Konkurrenz ist in den USA viel größer", erklärt er. Deshalb habe sich die Freestylerin entschieden für China anzutreten. Weil sich die Eltern getrennt hätten, als Eileen Gu noch klein war, hätte sie eine viel stärke Bindung zu ihrer Mutter und somit auch zu China. Seit 2019 hat sie den chinesischen Pass.

Für Eileen Gu ist das wirtschaftlich "eine Riesengeschichte", sagt Alexander Bleick. Sie war direkt ein Topstar in China, wodurch sich ihr viele Möglichkeiten eröffnet haben. Chinesische Firmen sind auf sie wegen Sponsoring zugekommen und "sie hat eine Menge Geld damit verdient", berichtet der Korrespondent.

Förderung in den USA – Medaille für China

Doch in den USA gibt es viele Menschen, die Eileen Gus Entscheidung kritisieren. Nicht zuletzt deshalb, weil die USA und China nicht gerade befreundete Länder sind. Konservative Sportfans in den USA haben Eileen Gu massiv beschimpft, berichter Alexander Bleick, weil sie in den USA gefördert worden sei, von den Trainingsbedingungen profitiert habe und jetzt ihr Können für China einsetze. Die Sportlerin hat sich selbst zu den Vorwürfen wenig geäußert, sagt Alexander Bleick.

In China ist Eileen Gu nach ihrer ersten Goldmedaille im Big Air ein gefeierter Star.

"Ich glaube, die Siegerehrung mit Eileen Gu wurde fünfmal im chinesischen Fernsehen übertragen – vor Hunderten Millionen Zuschauern. Das ist schon eine ganz große Nummer."
Alexander Bleick, ARD-Korrespondent für die Olympischen Winterspiele

Dieser plötzliche Starkult in China um die 18-Jährige hängt vielleicht auch damit zusammen, dass sie eher wie eine Amerikanerin von der Westküste als eine Chinesin wirkt, sagt ARD-Korrespondentin für die Olympischen Winterspiele Martina Knief.

Martina Knief, ARD-Korrespondentin für die Olympischen Winterspiele
"Eileen Gu stellt sich auf das Siegerpodest nach der Siegerehrung, zwinkert mit dem Auge und beißt so auf ihre Goldmedaille, wie man das halt so als US-Amerikanerin macht – im chinesischen Winter-Outfit. Das ist eine Mischung, die in China erstaunlicherweise sehr gut ankommt."

Als Eileen Gu Gold gewonnen hat, sei das chinesische Netzwerk Weibo kurz zusammengebrochen, berichtet Martina Knief. Für die Menschen in China wirke sie auch deshalb so sympathisch, weil sie so gut Chinesisch spreche. Inzwischen ist Eileen Gu in China nicht nur im Fernsehen, sondern überall auf Plakaten und in der Werbung zu sehen.

Die junge Sportlerin modelt auch und ist deshalb medial erfahren. Außerdem gilt sie als sehr gute Schülerin und Pianistin.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Alexander Bleick, ARD-Korrespondent für die Olympischen Winterspiele